Verfassungsschutz

Antiamerikanismus

Der Begriff Antiamerikanismus bezieht sich nicht auf den amerikanischen Kontinent, sondern ausschließlich auf die USA. Er beschreibt Einstellungen oder Verhaltensweisen, die gegen die USA, ihre Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur, ihr Denken oder Handeln gerichtet sind. Aber nicht jede Kritik an den USA ist antiamerikanisch: Die Grenze zum Antiamerikanismus wird überschritten, wenn die Prinzipien demokratischer Verfassungsstaaten abgelehnt werden. "Werden deren auch in der US-amerikanischen Verfassung niedergelegten Wertvorstellungen geteilt, kann nicht von Antiamerikanismus gesprochen werden" (Armin Pfahl-Traughber).

Letzteres gilt für Vorbehalte und Vorurteile gegenüber den USA, die nicht notwendigerweise auf eine extremistische Sichtweise schließen lassen. Dazu gehören etwa die Vorwürfe, "die Amerikaner" hätten keine Kultur und keine Geschichte, sie seien oberflächlich und nur materiell orientiert, sie seien nur daran interessiert, "dem Rest der Welt ihre Maßstäbe aufzuzwingen". In jüngster Zeit ist außerdem die Kritik am amerikanischen Eingreifen in Krisengebieten gewachsen, an der Machtfülle der USA sowie an ihrer angeblich dominanten Rolle in den deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Für Rechtsextremisten verkörpern die USA Imperialismus, Kapitalismus und Hegemonialbestreben. Das amerikanische (westliche) Modell einer liberalen, pluralistischen und multikulturell ausgerichteten Gesellschaft widerspricht dem rechtsextremistischen Ideal eines Staates mit starkem Führer und "Volksgemeinschaft". Ob Drogensucht, Kriminalität oder vermeintlicher Kulturverfall: Rechtsextremisten machen die amerikanischen Einflüsse auf Deutschland für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme verantwortlich.

Was ist ...?

Führerprinzip
FührerprinzipDas Führerprinzip war zentrale Grundlage der nationalsozialistischen Bewegung. Die Bindung jeglicher Entscheidungsgewalt an eine Person ist mit einer demokratischen Willensbildung nicht vereinbar. Rechtsextremistische Gruppierungen, insbesondere Neonazis, streben dieses autoritäre Leitungsbild an. Mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ist eine solche Herrschaftsform unvereinbar.

Hegemonie
HegemonieVor allem ein staatspolitischer Begriff, der die durch zwischenstaatliche Verträge abgesicherte Vorherrschaft eines Staates beschreibt. Als hegemonistisch kann aber auch das Übergewicht eines Staates im wirtschaftlichen oder kulturellen Bereich bezeichnet werden. Rechtsextremisten denken insofern hegemonial, als sie ein Deutschland in seinen alten Reichsgrenzen anstreben und ihm eine Führungsfunktion im politischen Geflecht Europas zuweisen wollen. Im Islamismus wird den USA und anderen westlichen Staaten unterstellt, die islamische Welt und insbesondere die ölreichen Länder unter ihre Kontrolle bringen zu wollen.

Imperalismus
ImperialismusAllgemein wird darunter das Streben politischer Kräfte nach größtmöglicher Macht über andere Länder verstanden. Nach leninistischer Auffassung ist der Imperialismus das höchste und damit letzte Entwicklungsstadium des Kapitalismus.

Kapitalismus
KapitalismusNach linksextremistischem Verständnis eine Gesellschaftsform, die auf dem privatkapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln, der privaten Aneignung der Ergebnisse der Produktion (dem Profit) und der Ausbeutung der Lohnarbeiter basiert. Im Islamismus gibt es keine grundsätzliche Kritik am Privateigentum oder an auf Gewinn ausgerichtetem wirtschaftlichem Handeln. Jedoch wird ein "islamischer Rahmen" verlangt, der ungebremstes Profitstreben sowie islamisch verbotene Geldtransaktionen verhindert.

Volksgemeinschaft

VolksgemeinschaftDer Begriff ist ein zentrales Element der rechtsextremistischen Weltanschauung. Er steht für die Behauptung, dass ein Volk als soziale Einheit ohne Ansehen des Standes aufgrund blutsmäßiger Bande durch gemeinsame Geschichte zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengefügt wurde, der der Einzelne sich nicht entziehen kann.