Verfassungsschutz

Antiimperialismus

Unter Imperialismus wird im allgemeinen das Streben politischer Mächte verstanden, sich über die eigenen Staatsgrenzen hinaus auf andere Gebiete auszuweiten oder ihren politischen, wirtschaftlichen, militärischen und/oder kulturellen Einflussbereich auf Kosten der Gesellschaften, in die sie eingedrungen sind, (beziehungsweise die sie sogar unterworfen haben) auszudehnen. Insbesondere den kapitalistischen Staaten wird unterstellt, dass ihnen das Streben nach Hegemonie innewohnt und damit ständige Ursache für imperialistische Kriege ist.

Mit Ausnahme der so genannten 'Antideutschen' erklären sich Linksextremisten aller Richtungen regelmäßig solidarisch mit der revolutionären Befreiungsbewegung in der Dritten Welt (so genannter Trikont) und dem Kampf von Gesinnungsgenossen anderer Länder. Dies geschieht nicht nur durch Solidaritätsbekundungen, Spendensammlungen, Mitarbeit in Arbeitsbrigaden in der Dritten Welt und ähnliche Aktionen, sondern auch durch "Widerstand" im eigenen Land (so genannte Metropolen), da die staatliche, wirtschaftliche und soziale Ordnung in den Metropolen als kapitalistisch und imperialistisch angesehen wird.

Einige Gruppen, die sich selbst auch als "InternationalistInnen" bezeichnen, vertreten die Ansicht, dass das System in den Metropolen politisch nicht reformierbar sei und nur im Rahmen eines weltweiten revolutionären Prozesses beseitigt werden könne. Dazu sei der Aufbau neuer Guerillastrukturen in den Metropolen unverzichtbar, auch seien bewaffnete Aktionen zur Umwälzung des Systems erforderlich. Bei diesen Gruppen besteht aber kein einheitliches revolutionäres Konzept. Es handelt sich vielmehr um verschiedene Personenzusammenschlüsse, denen nur gemeinsam ist, dass sie sich auf die Theorien der 'Rote Armee Fraktion' (RAF) der 70er und 80er Jahre stützen. Vielfach gehören diesen unterschiedlichen Gruppen auch ehemalige Unterstützer der RAF und Personen aus ihrem Umfeld an. In diesem Zusammenhang ist die Initiative 'Libertad!' zu nennen, die den Aufbau eines internationalen Netzwerks von "radikalen und revolutionären Kräften aus Basis- und Befreiungsprozessen" anstrebt. Zuletzt organisierte 'Libertad!' zusammen mit der 'Autonomen Antifa (M)' Göttingen aus Anlass des 10ten Jahrestages der Ereignisse von Bad Kleinen (27. Juni 1993) und im Gedenken an das mutmaßliche RAF-Mitglied Wolfgang Grams eine Kampagne unter dem Motto "glaubt den lügen der mörder nicht". Aus ihrer Sicht war die RAF "von allen diskutierten Optionen vielleicht der realistischste Versuch einer Transformation der 68er Revolte".

Als ein Beispiel zur Veranschaulichung, zu welchem persönlichen Einsatz antiimperialistisch und internationalistisch motivierte Aktivisten bereit sind, können die so genannten "Kurdistan-Brigadisten" dienen:

In den 90er Jahren beteiligten sich weibliche und männliche Linksextremisten aus Deutschland und anderen europäischen Staaten am bewaffneten Kampf der PKK in Kurdistan. In Anlehnung an die internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg (1936 - 1939) unterstützten diese "InternationalistInnen" die PKK und betrachteten diesen Kampf als praktische Umsetzung des von ihnen geforderten weltweiten Kampfes gegen imperialistische Staaten. Die in Kurdistan gewonnenen Erfahrungen wollten sie in den Aufbau einer als notwendig erachteten revolutionären internationalen Bewegung zu Hause "in der Metropole" einbringen. Insbesondere glaubten sie, von der PKK die "Organisierung" eines Befreiungskampfes erlernen zu können. Ihren Einsatz bezahlten diese Personen vielfach mit ihrem Leben, langen Gefängnisaufenthalten in der Türkei oder körperlichen und mentalen Schäden.

Zur Ergänzung:

Stichwort: Autonome
Stichwort:Autonome Orientierungsansätze
Stichwort: KADEK (vormals PKK)
Stichwort: RAF