Verfassungsschutz

Stalinismus

Der Name von Lenins Nachfolger Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, später Josef W. Stalin (1879 - 1953) bezeichnet eine ganze historische Periode der sowjetischen Geschichte. Seine auf den Theorien Lenins fußende Lehre von den Möglichkeiten des "Sozialismus in einem Land" (nämlich zunächst nur in der Sowjetunion) verknüpft mit den Machtmöglichkeiten einer internationalen kommunistischen Organisation ('Kommunistische Internationale' (Komintern)) richtete die Vorstellungen und das Handeln aller in ihr organisierter kommunistischer Parteien, auch der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), auf die Interessen der Sowjetunion als zentrale Führerin des internationalen Kommunismus aus.

Stalin setzte sich mit seinen rein machtpolitisch motivierten Vorstellungen in scharfen Gegensatz zu Leo Trotzki, den er wie andere tatsächliche oder vermeintliche Gegner im Verlauf innerparteilicher Machtkämpfe ausschaltete und 1940 im mexikanischen Asyl ermorden ließ. Neben den "Säuberungen" in Partei, Bevölkerung und Armee sowie der Ermordung vermeintlicher politischer Gegner kosteten die Zwangsvergesellschaftung der Landwirtschaft und der rücksichtslose Aufbau der Schwerindustrie viele Millionen Menschenleben.

Das mit unumschränkter Macht erzwungene Festhalten an seiner als marxistisch-leninistisch bezeichneten Lehre führte zum völligen Stillstand in der Entwicklung der politischen Theorie des Marxismus-Leninismus/ oder wissenschaftlicher Kommunismus in der Sowjetunion und in den von ihr beherrschten Ländern. Dieser "Marxismus-Leninismus" diente später in den Staaten des "realen Sozialismus" nur noch als Sprachhülse, mit der eine kleine Gruppe von Parteifunktionären versuchte, ihre gesellschaftliche Macht zu rechtfertigen.

Was ist ...?

Komintern
KominternKurzwort für "Kommunistische Internationale", die 1919 in Moskau gegründete Vereinigung der kommunistischen Parteien aller Länder unter sowjetischer Führung. Ziel der Komintern war es, für die kommunistische Weltrevolution und die Diktatur des Proletariats zu kämpfen. Sie wurde 1943 durch Stalin aufgelöst. Die in ihr organisierten Parteien, u. a. die KPD, verstanden sich als Sektionen der internationalen kommunistischen Bewegung.
Kommunismus
KommunismusNach marxistischer Auffassung die höchste Form der gesellschaftlichen Entwicklung, in der u. a. der Gegensatz von Kapital und Lohnarbeit aufgehoben und das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft ist. Islamisten lehnen den Kommunismus wegen seiner atheistischen Grundhaltung ab.
Marxismus-Leninismus
Marxismus-LeninismusWeiterentwicklung des Marxismus durch Lenin (1870-1924), der vor allem die revolutionäre Seite unterstreicht und dazu konkrete organisatorische und strukturelle Vorgaben gibt. So geht seine Lehre von der revolutionären Partei neuen Typs (Kaderpartei) davon aus, dass das Proletariat nur unter Führung einer solchen Partei den Sieg im Klassenkampf erreichen kann.
Proletariat
ProletariatNach marxistischer Auffassung die Klasse der besitzlosen und ausgebeuteten Lohnarbeiter und Hauptkraft beim revolutionären Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus.
SozialismusSozialismusNach marxistisch-leninistischer Auffassung die erste (niedere) Phase des Kommunismus. Es ist die Gesellschaftsform, die nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten unmittelbar aus dem Kapitalismus hervorwächst. Der arabische Sozialismus erlebte seine Blütezeit in den 1960er Jahren. Ägypten und Gamal Abd al-Nasser spielte eine Vorreiterrolle in der Region und vollzog eine politische Annäherung an die Sowjetunion. Mit der arabischen Niederlage im Krieg gegen Israel von 1967 sind Nassers Ideen untergegangen.