Verfassungsschutz

Maoismus

Unter der Führung von Mao Tse-Tung (1893-1976) bildete sich in China nach dem kommunistischen Sieg 1949 eine Theorie und Praxis heraus, die sich als historisch-konkrete Anwendung und kritische Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus auf die speziellen Bedingungen Chinas versteht. Die Ideen Maos waren Vorbild für große Teile der nach 1968 entstandenen "Neuen Linken" (Dogmatische Neue Linke).

Mao entwickelte auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus eine neue Revolutionstheorie, in der die besonderen Bedingungen der so genannten "Dritten Welt" berücksichtigt wurden. Ausgehend von der "Strategie der Umzingelung der Städte durch das Land" wurde nicht wie bei Lenin die städtische Arbeiterschaft (Proletariat), sondern die unterdrückte Landbevölkerung zum Träger der Revolution erhoben (dem revolutionären Subjekt). Nach der Auffassung Maos war die Revolution in einem Land der Dritten Welt durch einen Guerillakrieg bäuerlicher Partisanen auszulösen. Auch Mao betonte allerdings die führende Rolle der kommunistischen Partei in diesem Krieg, der sich zu einem Volkskrieg ausweiten sollte mit dem Ziel, die herrschende Klasse zu stürzen und die Diktatur des Proletariats zu errichten. Von den unterentwickelten Agrarländern der Dritten Welt sollte dann die Revolutionswelle ausgehen, die vom Land in die Städte der Industrienationen getragen und letztlich zur Weltrevolution führen sollte. Revolutionäre Zentren waren für Mao demnach die Entwicklungsländer, nicht hingegen die imperialistischen Länder des Westens und auch nicht die Sowjetunion mit ihrem Vormachtanspruch.

Für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft nach der Revolution sah der Maoismus die Aufrechterhaltung einer ständigen "inneren" Revolution vor, das heißt nicht nur Wirtschafts- und Gesellschaftsaufbau, sondern auch die Bewusstseinslage des einzelnen Menschen sollten immer wieder hinterfragt werden. Dies sollte auch durch die von Mao als letzte ideologische und revolutionäre Massenkampagne 1965/66 eingeleitete "Große Proletarische Kulturrevolution" erreicht werden. Sie sollte die bürgerliche Kultur und verbliebene Privilegien - etwa der Intellektuellen - beseitigen. Die "Volksmassen" wurden dabei immer wieder und rücksichtslos zur Durchsetzung der revolutionären Ziele und zur "Säuberung" der Gesellschaft von "Klassenfeinden" mobilisiert. Im Verlauf der "Großen Proletarischen Kulturrevolution wurden viele tausend Menschen teilweise auf grausame Weise umgebracht.

Das Ende der Kulturrevolution 1969 markiert zugleich das Ende der Ära Maos.