Verfassungsschutz

Anarchismus

Der "klassische" Anarchismus entstand als erste Absplitterung vom Kommunismus aus einem Streit zwischen den Anhängern von Marx und dem russischen Revolutionär Bakunin. Der Anarchismus gehört zu den revolutionären gesellschaftspolitischen Bewegungen. Sein Ziel ist eine herrschaftsfreie Gesellschaft, die im Unterschied zum Sozialismus und Kommunismus nicht nur eine klassenlose oder genossenschaftliche, sondern auch von jedwedem unnötigen institutionellen Überbau befreite sein soll. Es wird daher jede Form der Regierung, ob Monarchie, Republik, Diktatur oder Demokratie abgelehnt. Das bedeutet jedoch nicht, dass im Anarchismus jede gesellschaftliche Ordnung aufgehoben werden soll, vielmehr soll diese auf der Basis völliger Freiwilligkeit geordnet werden.

Im Gegensatz zum Marxismus-Leninismus vertraut der Anarchismus auf die Spontaneität der Massen und nicht auf die organisierte Revolution durch eine Partei. Nach anarchistischer Auffassung führt der Drang des Menschen zur Selbstbestimmung zu einer sozialen (nicht politischen) Revolution, durch die von der Basis her eine anarchistische Gesellschaftsform entsteht. Im Gegensatz zu anderen linksextremistischen Richtungen fehlen dem Anarchismus eine verbindliche Theorie und gemeinsame Organisationsstrukturen. In seiner Entwicklung bildeten sich daher verschiedene politische Ausrichtungen, deren Verhältnis untereinander zum Teil spannungsgeladen war und ist.

Als Denkrichtungen werden unterschieden: Individual-Anarchismus, Sozial-Anarchismus, Anarcho-Kommunismus, Anarcho-Syndikalismus und Anarcho-Liberalismus.

In Deutschland sind zwei Gruppen, die als "traditionelle Anarchisten" betrachtet werden können, erwähnenswert. Dabei handelt es sich um die

  • angeblich gewaltfreie 'graswurzelbewegung' und
  • den deutschen Zweig der international organisierten anarcho-syndikalistischen 'freien Arbeiterinnen- und Arbeiterunion - internationale Arbeiterassoziation' (FAU-IAA).

Die 'graswurzelbewegung' strebt eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung an, in der durch Macht von unten alle Formen von Gewalt und Herrschaft abgeschafft werden sollen. An die Stelle von Hierarchie und Kapitalismus soll eine selbstorganisierte, sozialistische Wirtschaftsordnung treten. Der Staat soll durch eine föderalistische, basisdemokratische Gesellschaft ersetzt werden. Um die bestehenden Herrschafts- und Gewaltstrukturen zu zerstören, wird das Konzept des zivilen Ungehorsams propagiert. Der Begriff Gewaltfreiheit wird dabei als Verzicht auf die Gewalt gegen Menschen verstanden, Gewalt gegen Sachen wird als legitim angesehen.

Ausgehend von dem Bestreben, die Anarchisten aus ihrer Isolierung und ihren sektiererischen Diskussionen heraus zu führen, sucht der Anarcho-Syndikalismus den Kontakt zur gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmerschaft. Die FAU-IAA versteht sich daher als "eine Selbstorganisation von ArbeiterInnen" und unter dem von ihr propagierten Anarchosyndikalismus eine Gewerkschaftsbewegung mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive, die sich zum Ende des letzten Jahrhunderts als Reaktion auf den zunehmenden Reformismus der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften gebildet habe. Als Arbeiter werden alle angesehen, denen nichts übrig bleibe, als täglich ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Von Teilen der FAU-IAA wird der Begriff der "freien Vereinigung" dem Begriff der "Gewerkschaft" vorgezogen, weil dieser durch die bestehenden Organisationen "so auf den Hund gebracht wurde, daß die Verwendung des Wortes nur zu Mißverständnissen führen kann".

Eine politische Aktionsform des Anarchismus ist die "direkte Aktion". Darunter wird eine Aktionsform verstanden, die von den direkt Betroffenen ausgeht und bei der die Mittel in einem direkten Zusammenhang zu den selbstdefinierten Zielen stehen. Sie soll nicht nur außerparlamentarisch, sondern auch führerfeindlich sein, nämlich ein Ausdruck der emanzipatorischen Selbstbefreiung.

Beide anarchistischen Strömungen verfügen in Deutschland mit etwa 540 unmittelbar zurechenbaren Personen über keine nennenswerte gesellschaftliche Relevanz. Ihre ideologischen Hintergründe und praxisbezogenen Denkansätze werden jedoch in Teilen von der "Autonomen Szene" übernommen.

Was ist ...?

Autonome
AutonomeLinksextremisten, die sich außerhalb der klassischen Organisationsformen wie Parteien in Gruppen zusammengeschlossen haben, um - zumeist auf bestimmten Themenfeldern - aktionistisch geprägte politische Arbeit zu betreiben. Sie verfolgen diffuse anarchistische oder kommunistische Vorstellungen und gelten als potenziell gewaltbereit.
Kapitalismus
KapitalismusNach linksextremistischem Verständnis eine Gesellschaftsform, die auf dem privatkapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln, der privaten Aneignung der Ergebnisse der Produktion (dem Profit) und der Ausbeutung der Lohnarbeiter basiert. Im Islamismus gibt es keine grundsätzliche Kritik am Privateigentum oder an auf Gewinn ausgerichtetem wirtschaftlichem Handeln. Jedoch wird ein "islamischer Rahmen" verlangt, der ungebremstes Profitstreben sowie islamisch verbotene Geldtransaktionen verhindert.
Marxismus-Leninismus
Marxismus-LeninismusWeiterentwicklung des Marxismus durch Lenin (1870-1924), der vor allem die revolutionäre Seite unterstreicht und dazu konkrete organisatorische und strukturelle Vorgaben gibt. So geht seine Lehre von der revolutionären Partei neuen Typs (Kaderpartei) davon aus, dass das Proletariat nur unter Führung einer solchen Partei den Sieg im Klassenkampf erreichen kann.
SozialismusSozialismusNach marxistisch-leninistischer Auffassung die erste (niedere) Phase des Kommunismus. Es ist die Gesellschaftsform, die nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten unmittelbar aus dem Kapitalismus hervorwächst. Der arabische Sozialismus erlebte seine Blütezeit in den 1960er Jahren. Ägypten und Gamal Abd al-Nasser spielte eine Vorreiterrolle in der Region und vollzog eine politische Annäherung an die Sowjetunion. Mit der arabischen Niederlage im Krieg gegen Israel von 1967 sind Nassers Ideen untergegangen.