Verfassungsschutz

Hasan al-Banna

Der Volksschullehrer Hasan al-Banna (1906-1949) war der Begründer der ältesten islamistischen Organisation des arabischen Raums, der 'Muslimbruderschaft'. Er entstammte einem kleinbürgerlichen Umfeld, das fest im Traditionalismus verwurzelt war und die Zunahme westlichen Einflusses im Nahen Osten als existenzielle Bedrohung wahrnahm. Al-Banna erhielt eine umfassende religiöse Erziehung, auf deren Grundlage er unter dem Eindruck der erstarkenden nationalistischen Bewegung Ägyptens seine Grundüberzeugungen entwickelte, die für die 'Muslimbruderschaft' prägend wurden. Al-Banna wurde 1949 von der ägyptischen Geheimpolizei auf offener Straße erschossen, weswegen er in den Reihen seiner Mitstreiter einen Märtyrerstatus genießt.

 

Die 'Muslimbruderschaft' will das "wahre Wesen" des Islam wieder zum Leben erwecken. Das beinhaltet eine Rückkehr zu den Lehren der ersten islamischen Gemeinde zu Lebzeiten des Propheten, die al-Bannas Bewegung für authentisch hält. Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit stellt einen weiteren Kernpunkt der Überzeugungen der 'Muslimbruderschaft' dar. Al-Banna bestand auf dem koranischen Verbot von Zinsen und forderte eine gezielte Besteuerung der Wohlhabenden zum Nutzen der Ärmsten des Landes. In diesem Sinne legte er das islamische Gebot der Almosensteuer (zakat) aus.

 

Nach den Vorstellungen al-Bannas und der 'Muslimbruderschaft' ist die islamische Gemeinde der Gegenentwurf zum Westen mit all seinen tatsächlichen oder auch nur zugeschriebenen und als negativ gebrandmarkten Eigenschaften wie Säkularisierung, "Verfall" sittlicher Werte und ungebremstes Kapitalstreben. Technische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse der westlichen Welt können dagegen bedenkenlos übernommen werden, solange sie nicht gegen islamische Grundprinzipien verstoßen.