Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure/innen (ÖbVI)

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure/innen sind kompetente Partner in allen Fragen des Vermessungswesens vor Ort. Sie treten als ganzheitliche Gesamtdienstleister rund um das Grundstück auf. Die Besonderheit an diesem freien Beruf ist, dass es sich – wie bei den Notaren – um beliehene, natürliche Personen handelt, denen der Staat hoheitliche Aufgaben übertragen hat, welche sie im eigenen Namen wahrnehmen. ÖbVI sind insoweit Behörden im funktionalen Sinne.

Die zentrale Bedeutung der grundgesetzlich verankerten Eigentumsgewährleistung gebietet eine hoheitliche Aufgabenwahrnehmung. Die Form der Beleihung (öffentliche Bestellung) der ÖbVI stellt mithin die weitestgehende, verfassungsrechtlich zulässige Form einer Aufgaben-übertragung vom Staat auf die Wirtschaft dar. Um eine ordnungs- und standesgemäße Aufgabenwahrnehmung zu sichern, unterliegen die ÖbVI daher der fachlichen Aufsicht der Bezirksregierungen. Außerdem sind sie – soweit sie hoheitliche Aufgaben wahrnehmen – an die staatliche Kostenordnung (Gebührenordnung für das amtliche Vermessungswesen und die amtliche Grundstückswertermittlung in NRW - VermWertGebO -) gebunden. Hinsichtlich ihrer privatrechtlich-ingenieurgeodätischen Dienstleistungen ist die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) maßgebend, deren Einhaltung von der Ingenieurkammer Bau NRW überprüft wird. Dies fördert im Interesse der Verbraucher einen qualitätsfördernden Leistungswettbewerb anstelle eines ruinösen Preiskampfes.

Aktuelle Liste der ÖbVl in NRW

 

 

Tätigkeitsfelder

Im hoheitlichen, der staatlichen Aufsicht unterstehenden Bereich sind die ÖbVI aufgrund des Gesetzes über die Landesvermessung und das Liegenschaftskataster sowie des Gesetzes über die öffentlich bestellten Vermessungsingenieurinnen und -ingenieure berechtigt,

  • Liegenschaftsvermessungen auszuführen,
  • Einsicht in das Liegenschaftskataster zu gewähren und Auszüge daraus zu erteilen,
  • Anträge auf Vereinigung oder Teilung von Grundstücken öffentlich zu beglaubigen,
  • Tatbestände, die sie durch vermessungstechnische Ermittlungen am Grund und Boden festgestellt haben, mit öffentlichem Glauben zu beurkunden, sowie
  • weitere ihnen nach Gesetzen und Rechtsverordnungen des Landes zugewiesene Aufgaben auszuführen.

Zu den hoheitlichen Tätigkeiten zählen beispielsweise

  • Teilungsvermessungen für die Bildung neuer Grenzen als Voraussetzung für die grundbuchrechtliche Abschreibung,
  • Grenzfeststellungen zur amtlichen Kennzeichnung bestehender Grenzen durch Grenzzeichen (z. B. vor dem Erwerb eines Grundstücks oder für den Zaunbau),
  • Gebäudeeinmessungen zur Aktualisierung des Gebäudebestands in der Liegen-schaftskarte,
  • Amtliche Lagepläne zur Vorlage bei Bauordnungs- und Bauplanungsämtern zur Ge-nehmigung von Bauvorhaben u. a., sowie
  • Grenzbescheinigungen über die Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzabstände, zur Vorlage bei Bauämtern, Banken und Bausparkassen.

Weiterhin können sie unter Berufung auf ihren Berufseid auch als Sachverständige für vermessungstechnische Angelegenheiten auftreten.

Da auf dem freien Markt vielfach die ganzheitliche, prozessorientierte und nachhaltige Leistung gefragt ist, gestattet die Berufsordnung explizit ein Tätigwerden der ÖbVI’s auf allen Gebieten des Vermessungswesens. Dem entsprechend werden sie auch in nicht hoheitlichen, ingenieurgeodätischen Bereichen tätig:

  • Vermessung, wie z. B.

    • Industrie- und Ingenieurvermessung
    • Entwurfsvermessung
    • Bauüberwachung
    • Bestandsdokumentation

  • Wertermittlung (bebauter und unbebauter Grundstücke)
  • Landentwicklung (Flurbereinigung, Umlegung, private Maßnahmen, etc.)
  • Photogrammetrie/ Fernerkundung
  • Qualitätssicherung/Projektsteuerung
  • Facility Management

Zulassung

Aufgrund der hohen Verantwortung, die das Amt des ÖbVI mit sich bringt, ist der Zugang zu diesem Beruf an hohe Anforderungen gebunden. Diese werden im Zuge der notwendigen Bestellung durch die Aufsichtsbehörden (Bezirksregierungen) geprüft.

Eine Zulassung erfolgt i. d. R. nur, wenn die Befähigung zum höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst vorliegt und nach Erwerb dieser Befähigung mindestens ein Jahr Erfahrungen in der Ausführung von Katastervermessungen erworben wurden.

Die Befähigung für den höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst wird mit Bestehen der großen Staatsprüfung der Laufbahnausbildung (Referendariat) für den höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst erlangt.

 

ÖbVI in NRW

Der ÖbVI-Viewer ist ein Online-Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen zur Darstellung der Lage der Geschäftsstellen der im Land zugelassenen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieu-re/innen (ÖbVI). Der Dienst kann von jedermann kostenlos aufgerufen werden. Potenzielle Auftraggeber können so schnell und bequem einen ÖbVI in ihrer Nähe finden, auswählen und über die gegebenen Möglichkeiten Kontakt zu ihm aufnehmen.

ÖbVI-Viewer

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Vermessingsigenieur bei der Arbeit