Nach Boom wieder weniger Einbürgerungen in NRW - Behrens fordert verstärkte Integration: Fördern und Fordern - Stau durch Blockade des Zuwanderungsgesetzes

Pressemitteilungen | 05.08.2003

Innenministerium NRW

Düsseldorf, 05.08.2003

Das Innenministerium teilt mit:

Im Jahr 2002 haben in Nordrhein-Westfalen insgesamt 49 837 Ausländerinnen und Ausländer durch Einbürgerung einen deutschen Pass erhalten. Das sind 10 729 weniger als im Vorjahr. Im Zehnjahresvergleich ist die Zahl der Einbürgerungen aber immer noch mehr als sieben mal höher

(1992: 6 884). „Die Einbürgerung ist ein wichtiger Gradmesser für gelungene Integration. Sie signalisiert den Wunsch und die Bereitschaft bei uns lebender Ausländer, in unserer Gesellschaft mitzuwirken“, erklärte Nordrhein-Westfalens Innenminister Dr. Fritz Behrens heute in Düsseldorf. Im Jahr 2000 hatte es nach der Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts mit über

65 000 Einbürgerungen einen regelrechten Boom gegeben.

„Die seit zwei Jahren wieder rückläufigen Zahlen liegen im Bundestrend. Sie zeigen, dass Staat und Gesellschaft dringend mehr für die Eingliederung von Ausländern tun müssen“, betonte der Minister. Behrens forderte die unionsgeführten Länder auf, den durch die Blockade des Zuwanderungsgesetzes entstandenen Stau endlich aufzulösen. „Ich gehe davon aus, dass wir nach der Landtagswahl in Bayern zu einer vernünftigen Kompromisslösung kommen können.“ Besonders wichtig für das Gelingen von Integration sei das Erlernen der deutschen Sprache. „Mangelnde Sprachkenntnisse sind eine Barriere, die eine Teilnahme an unserem gesellschaftlichen Leben behindert. Hier müssen wir, wie im geplanten Zuwanderungsgesetz vorgesehen, mit Sprachkursen stärker fördern und fordern“, betonte der Innenminister.

Angestiegen gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Einbürgerungen, die Ausländer beanspruchen können, die seit acht Jahren rechtmäßig ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben. Hier gab es eine Steigerung um ca. 8,6 Prozent auf 27 856 Einbürgerungen. „Eine solche Entwicklung ist erfreulich und wichtig, damit diese Menschen nicht in einer Parallelgesellschaft leben, sondern in unsere bestehende Gesellschaft eingebunden werden“, so Behrens.

Ein größerer Teil der Ausländer schreckt allerdings immer noch vor dem entscheidenden Schritt der Einbürgerung zurück, obwohl die Voraussetzungen dafür vorliegen. „In erster Linie geht es diesen Menschen darum, ihre alte Staatsbürgerschaft nicht zu verlieren. Sie verzichten jedoch auf die staatsbürgerlichen Rechte, insbesondere auf die Chance die politische und gesellschaftliche Entwicklung mitzubestimmen.“ Der Minister appellierte an alle in Nordrhein-Westfalen lebenden Ausländer, von ihren Einbürgerungsrechten Gebrauch zu machen und sich aktiv in unsere Gesellschaft einzubringen. „Davon profitieren alle Seiten“ so Behrens.

Unter den im Jahr 2002 eingebürgerten Personen stellen nach wie vor die ehemals türkischen Staatsangehörigen mit 23 573 Einbürgerungen die größte Gruppe (Vorjahr: 29 143). Die zweitgrößte Gruppe bilden ehemalige Staatsangehörige des Iran mit 4 240 Einbürgerungen (Vorjahr: 4 322), gefolgt von 2 204 ehemaligen Staatsangehörigen Marokkos (Vorjahr: 2 422), 2 120 Serbien-Montenegros(Vorjahr: 3 240),1 646 Sri Lankas (Vorjahr: 2 022), Afghanistans 1 205 (Vorjahr: 1 239) und 1 018 der Russischen Föderation (Vorjahr: 1 483).

 

 

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