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Medien

Für die islamistische Propaganda durch Einzelpersonen bis hin zu international operierenden extremistischen Organisationen gewinnen die modernen Medien zunehmend an Bedeutung. Die Video- und Tonbandbotschaften Usama Bin Ladins, seines Stellvertreters al-Zawahiri sowie anderer Akteure global agierender Terror-Netzwerke zeugen von einem ausgeprägten Medienbewusstsein. Fernsehsender, wie der in der arabischen Welt populäre Kanal 'al-Jazeera' werden gezielt für die Übermittlung von Tonband-Aufnahmen oder Video-Bändern genutzt. Auf diese Weise lässt sich islamistisches Gedankengut einem Millionen-Publikum unterbreiten. Die Brutalität islamistischer Terroraktionen erklärt sich zu einem Teil auch durch die Möglichkeit ihrer medienwirksamen Präsentation. Bewusst inszenierte Angriffe können und werden von einem Millionen-Publikum bereitwillig und mit großem Interesse konsumiert. Dies gilt nicht nur für die Anschläge des 11. September 2001, sondern auch und vor allem für die unzähligen, weltweiten Selbstmordattentate der jüngeren Zeit. Die gezielte Manipulation des Mediums Fernsehen und seiner Zuschauer ist dabei nicht nur intendiert, sie wird von den Sendeanstalten zugunsten einer ansehnlichen Quote teilweise bewusst in Kauf genommen.

Ein anderes Kommunikationsmedium, das innerhalb der islamistischen Szene eine wichtige Rolle spielt, ist das Internet. Weltweit und so auch in Deutschland bedienen sich extremistische Gruppen und Organisationen dieses Mediums, denn es ermöglicht eine direkte, grenzüberschreitende und von Außen schwer nachvollziehbare Kommunikation. Der Widerspruch zwischen der Fortschrittsfeindlichkeit der Islamisten einerseits und ihrer Abhängigkeit von der modernen Technik andererseits offenbart sich am Beispiel der afghanischen Taliban. Der Medien-Konzern Usama Bin Ladins hatte seinerzeit via Internet mit einigem Erfolg Mitglieder für seine Organisation al-Qaida und Kämpfer für deren wichtigstes Rückzugsland, Afghanistan, mobilisiert. Nach ihrer Machtübernahme zeigten sich die Taliban aber betont fortschrittsfeindlich und verboten der afghanischen Bevölkerung umgehend das Surfen im Internet. Die Suche sowohl nach Kämpfern als auch nach IT-Spezialisten zur Verbreitung von Informationen über den weltweiten Jihad wurde dagegen online unvermindert fortgesetzt.

Die Nutzungsmöglichkeiten des Internets sind beinahe unbegrenzt. Islamisten aller Schattierungen, ob sie nun für Gewalt oder gewaltfreies Handeln eintreten, tauschen sich übers Netz mit Gesinnungsgenossen aus und betreiben gezielt Propaganda für ihre Überzeugungen. Ein beachtlicher Teil der in Deutschland tätigen islamistischen Organisationen verfügt über eigene, zum Teil mehrsprachige Homepages. Über sie lässt sich für die jeweilige Organisation, ihre Ziele und die ihr zugrunde liegende Ideologie ebenso großflächig wie effektiv werben, zum Beispiel für die Teilnahme an Kundgebungen, Versammlungen und Veranstaltungen aller Art. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl einschlägiger Internetforen und sogenannter "Chatrooms", in denen islamistisches Gedankengut ausgetauscht wird.

Das Internet dient insbesondere islamistischen Terroristen als Aktionsplattform. Sie unterhalten und knüpfen darin Kontakte, verbreiten Propaganda und rekrutieren Kämpfer. Das Internet wird von Jihadisten auch genutzt, um Angst und Schrecken zu verbreiten. So kursieren im Internet unzählige Videos von terroristischen Anschlägen. Vielfach sind diese grausamen Bilddokumente sogar ein fester Bestandteil einschlägiger Websites, mit dessen Hilfe die Schlagkraft bestimmter Gruppen unter Beweis gestellt werden soll. Wie groß die Bedeutung des Internets als Mittel der jihadistischen Propaganda heute ist, wurde im Mai 2004 deutlich, als eine irakische Terrorgruppe das erste Video von der Köpfung einer westlichen Geisel ins weltweite Datennetz einstellte. Später tauchte eine Reihe weiterer Videos auf, die Exekutionen von Geiseln durch irakische Gruppen zeigten. Die Welle der Hinrichtungsvideos zwischen 2004 und 2005 beweist, dass das Internet islamistischen Terroristen durch seine Anonymität und Wirkungsbreite nicht nur ein ideales Forum zur Selbstdarstellung bietet, sondern selbst auch zu einer Eskalation der Gewalt beitragen kann.

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Islamismus
IslamismusEine extremistische Ideologie, die sich gegen westliche Werte- und Ordnungsvorstellungen richtet und das Ziel verfolgt, eine gesellschaftliche, rechtliche und staatliche Ordnung auf der Grundlage einer fundamentalistischen oder konservativen Auslegung des Islam zu errichten und damit einen "islamischen Staat" zu schaffen.
Jihad
JihadMeistens wird dieser Begriff mit "Heiliger Krieg" übersetzt; zutreffender ist "Heiliger Kampf". An sich meint Jihad Anstrengung, Bemühung und Kampf für den Islam. Die Formen, die hierfür gewählt werden, können unterschiedliche sein, friedlich aber auch gewaltsam. Seitens islamistischer Gruppierungen wird dieser Begriff häufig verwendet. Militante Gruppierungen rechtfertigen damit ihre gewaltsamen Aktionen.
TalibanTalibanTaliban ist der persischer Plural von arabisch "talib" (Student), der als Bezeichnung für eine Gruppe streng islamischer Milizen in Afghanistan verwendet wird. Einen Großteil ihrer Mitglieder rekrutierten die Taliban aus den Koranschulen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze, daher diese Bezeichnung. Ihr Handeln und ihre Ideologie sind stark vom fundamentalistischen Islam (Wahhabismus) und vom paschtunischen Gewohnheitsrecht "Paschtunwali" beeinflußt. Politisch und militärisch formierten sich die Taliban Anfang der 1990er Jahre, nach dem Ende der sowjetischen Besatzung Afghanistans. Im Verlauf der Kämpfe rivalisierender Milizen entwickelten sich die Taliban ab 1995 zur dominanten Fraktion innerhalb Afghanistans. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kamen sie der Forderung der USA nicht nach, Usama bin Laden, der mit Unterbrechungen seit den 1980er Jahren mit seiner Organisation al Qaida in Afghanistan war, auszuliefern. Daraufhin begann 2002 der von der UNO sanktionierte Angriff der USA und ihrer Verbündeten auf die Taliban, der das Ende ihrer Herrschaft einläutete.