Verfassungsschutz

Wehrmachtsausstellung

Vom Hamburger Institut für Sozialforschung wurde die erstmals 1995 gezeigte Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944" konzipiert. Sie will der Behauptung entgegentreten, nur die SS sei in Verbrechen verwickelt gewesen, die Wehrmacht aber wäre im Zusammenhang mit dem Vernichtungskrieg im Osten während des Zweiten Weltkrieges weitestgehend "sauber" gebliebenen.

Die Ausstellung thematisierte - in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen der Geschichtswissenschaft - den engen Zusammenhang zwischen der Kriegsführungspraxis der Wehrmacht und der millionenfachen Vernichtung von Juden, "slawischen" Zivilisten und Kriegsgefangenen, vor allem auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Sie dokumentierte das Verhalten der Truppe in Serbien und der besetzten Sowjetunion und zeigte auch die Verbrechen der sechsten Armee auf ihrem langen Weg vor Stalingrad. Ihre Fotos und Textdokumente bezogen sich auf die aktive Rolle erheblicher Teile der Wehrmacht beim Holocaust, bei der Plünderung der besetzten Gebiete, beim Massenmord an der Zivilbevölkerung und der Vernichtung von drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen. Im Herbst 1999 wiesen seriöse wissenschaftliche Kritiker gravierende Fehler, insbesondere falsche Zuordnungen bei fotografischen Aufnahmen nach. Am 4. November 1999 stellte Jan Philipp Reemtsma, Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung, die Ausstellung unter ein Moratorium und berief eine Historikerkommission, die ein Jahr später ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentierte. Die Ausstellung enthalte "1. Sachliche Fehler, 2. Ungenauigkeiten und Flüchtigkeiten bei der Verwendung des Materials und 3. vor allem durch die Art der Präsentation allzu pauschale und suggestive Aussagen, es seien jedoch keine Fälschungen im Sinne der leitenden Fragestellungen und Thesen festzustellen". Die Kommission empfahl "die Ausstellung in einer gründlich überarbeiteten, ggf. auch neu zu gestaltenden Form weiter zu präsentieren".

Die neue Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 - 1944" ist eine inhaltlich neu konzipierte und völlig anders strukturierte Präsentation. Sie hält fest an der These, dass die Wehrmacht als Institution während des Zweiten Weltkrieges an der Planung und Durchführung eines beispiellosen Rassen- und Vernichtungskrieges umfassend beteiligt war.

Die Ausstellung war von Anfang an heftigsten politisch motivierten Angriffen, vor allem rechtsextremistischer Kreise, ausgesetzt, die den Ausstellungsmachern die Diffamierung aller 18 Millionen Wehrmachtsangehörigen als Verbrecher vorwerfen. Zwar hatten die Ausstellungsmacher dies nie behauptet, doch die Agitation der Ausstellungsgegner fiel auf fruchtbaren, weil vorurteilsbehafteten Boden. Die Ausstellung ist seit 1997 Thema von öffentlichen Kundgebungen/Demonstrationen der rechtsextremistischen insbesondere nazistischen Szene in der Bundesrepublik.