Verfassungsschutz

Arier

Der Begriff Arier entstammt der altindischen Sprache "Sanskrit". Mit "ârya" (der Edle) bezeichneten sich im Altertum Völker, die auf dem Gebiet des heutigen Iran und im Nordwesten Indiens siedelten und eng miteinander verwandte Sprachen sprachen.

Zunächst nur auf diese "(indo-)arischen" (heute: "indogermanischen" oder "indoeuropäischen") Sprachen bezogen, wurde der Begriff "arisch" seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend im Sinne der Zugehörigkeit eines Menschen zur "weißen" oder "nordischen Rasse" gebraucht. Zu den maßgeblichen Wegbereitern dieser Rassentheorien zählen der französische Diplomat und Historiker Arthur de Gobineau und der britische Publizist Houston Stewart Chamberlain.

In seinem 1855 erschienenen Buch "Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen" unterschied Gobineau die Menschen in "höhere" und "niedere Rassen". Die "arische weiße Rasse" sah er als allen anderen "Rassen" überlegen an, als alleinige Verkörperung von Kultur und Moral, während die "niederen Rassen" allenfalls zur Knechtschaft taugten. Eine "fortschreitende Rassenmischung" stellte er als Hauptursache für den "Kulturverfall" dar und als die größte Gefahr für die Überlegenheit der "arischen weißen Rasse". Chamberlain verband diese Ideen in seinem Buch "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" (1899) mit sozialdarwinistischen Vorstellungen, wonach sich die "höheren" und "niederen Rassen" - dem Prinzip einer natürlichen Auslese folgend - in einem ständigen Überlebenskampf gegenüberstehen.

Häufig wurden solche Vorstellungen mythisch und religiös überhöht, beispielsweise in den Schriften der "Ariosophie", die Guido von List (1848 - 1919) begründete. Eine solche rassistische Mythologie prägte auch die 1918 gegründete 'Thule-Gesellschaft', eine Vorläuferorganisation der NSDAP. Der Thule-Mythos bezieht sich im Rechtsextremismus bis heute auf die Vorstellung einer legendären Geburtsstätte der arischen Rasse.

Im Laufe seiner Entwicklung richtete sich die nationalsozialistische Rassentheorie immer mehr gegen die Juden. Sie begriff den Arier vor allem als "Nichtjuden". In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft war jede Vermischung der Rassen strafbar, "arische" Abstammung musste durch einen "Ariernachweis" bestätigt werden. Die behauptete Überlegenheit der Arier über die "niederen Rassen" diente als Legitimation für die militärische Expansion in die benachbarten Länder. Die Juden wurden - noch weitergehend - als unter der slawischen "Knecht"-Rasse stehend verstanden. Dies lieferte den Vorwand für ihre massenhafte Vernichtung in den Konzentrationslagern.

Auch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches verschwanden derartige rassistische Theorien nicht. In seiner Schrift "Das politische Lexikon der Neuen Front" (1987) bezeichnete etwa der 1991 verstorbene Neonazi-Führer Michael Kühnen den Arier als "Angehörigen der weißen Menschenart", deren Vorherrschaft durch die Bildung einer "arischen Völkergemeinschaft" gesichert werden soll, die "durch Ausländerrückführung die Überfremdung des Kernbereichs arischen Lebensraumes beendet".

Was ist ...?

Nationalsozialismus
NationalismusEine politische Anschauung, deren zentraler Bezugspunkt die "Nation" ist. Interessen Einzelner oder gesellschaftlicher Gruppen werden diesem Wert untergeordnet. Zwar darf nationalistisches Denken nicht mit rechtsextremistischem Denken gleichgesetzt werden, allerdings ist Rechtsextremismus ohne Nationalismus kaum denkbar.
Rassismus
RassismusRassismus bezeichnet die Diskriminierung anderer Menschen aufgrund körperlicher Merkmale oder ethnischer Herkunft. Rassismus ist damit eine spezifische, biologisch-anthropologisch unterlegte Form von Fremdenfeindlichkeit.
Thule-Mythos
Thule-MythosUrsprünglich die antike Bezeichnung einer Insel im Norden Europas; auch verwendet zur Bezeichnung der Shetlandinseln bzw. der skandinavischen Landmasse. Aus dieser Begrifflichkeit entstand in der rechtsextremistischen Esoterik der Mythos von einem \"untergegangenen nordischen Reich, dessen Überlebende später angeblich die germanische oder nordische Rasse gegründet haben\". Der rassenideologische Ansatz des Thule-Mythos war namensgebend für die nach 1918 gegründete \"Thule-Gesellschaft\", die sich als Geheimgesellschaft verstand und der nicht wenige spätere NSDAP-Funktionäre angehörten.
VolksgemeinschaftVolksgemeinschaftDer Begriff ist ein zentrales Element der rechtsextremistischen Weltanschauung. Er steht für die Behauptung, dass ein Volk als soziale Einheit ohne Ansehen des Standes aufgrund blutsmäßiger Bande durch gemeinsame Geschichte zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengefügt wurde, der der Einzelne sich nicht entziehen kann.