Verfassungsschutz

Antisemitismus

Der Begriff Antisemitismus steht nicht für die Gegnerschaft zu allem Semitischen, was dem Wortsinn entsprechen und beispielsweise auch alles Arabische einschließen würde, sondern er wird - enger - für die Abneigung oder Feindseligkeit gegenüber Juden gebraucht, er kennzeichnet also antijüdische Einstellungen und Handlungsweisen.

Die Anfänge dieser Feindseligkeit liegen über 2000 Jahre zurück, als die Römer die Juden aus Palästina vertrieben und sie so zwangen, sich in verschiedenen Ländern eine neue Heimat zu suchen. In den folgenden Jahrhunderten führte der auf die jüdische Bevölkerung in den Zufluchtsländern ausgeübte gesellschaftliche Druck zu ihrer Isolation, häufig zu ihrer Ghettoisierung. Aus einer Vielzahl von Vorurteilen verfestigten sich antisemitische Anschauungen.

Man grenzte die Juden als eine fremdartige Minderheit aus, die aufgrund ihrer religiösen Besonderheit, ihrer Brauchtümer und ihrer Wehrlosigkeit als Sündenbock für negative Entwicklungen und katastrophale Ereignisse verantwortlich gemacht wurde.

Seit der Entstehung des Christentums sind in der Geschichte immer wieder Beispiele für eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Feindseligkeit gegenüber Juden zu finden. Dabei ist die antijüdische Haltung regelmäßig nicht auf die politischen Führer beschränkt; sie findet sich vielmehr in allen Schichten der Bevölkerung.

Ursprünglich waren vor allem religiöse Vorurteile, soziale oder wirtschaftliche Ausgrenzung und Neid hauptsächliche Ursachen für antisemitische Einstellungen. Im 19. Jahrhundert kamen zunehmend rassistische und nationalistische Motive hinzu, die die Überlegenheit einer "Rasse" über eine andere, beziehungsweise eines Volkes über ein anderes Volk behaupteten. In der planmäßigen Ermordung der jüdischen Bevölkerung im nationalsozialistischen Deutschland und in Europa erreichte der rassistisch und nationalistisch begründete Antisemitismus einen furchtbaren Höhepunkt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde den Juden zusätzlich vorgeworfen, sie seien für das an ihnen begangene Unrecht selbst verantwortlich und würden jetzt dieses Unrecht beziehungsweise ihre Opferrolle ausnutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Dies wird als "sekundärer Antisemitismus" bezeichnet.