Verfassungsschutz

Marxismus

Nach der auf Karl Marx (1818 - 1883) und Friedrich Engels (1820 - 1895) zurückgehenden Lehre vom wissenschaftlichen Sozialismus wird das politische, geistige, kulturelle und sonstige Leben in einer Gesellschaft durch die ökonomischen Strukturen und Verhältnisse bestimmt. Die marxistische Theorie versteht sich zugleich als Wissenschaft und Handlungsanleitung. Sie weist die bewusste Tätigkeit als Wesensbestimmung des Menschen aus und stellt die Aufhebung entfremdeter Arbeit in den Mittelpunkt der Fortentwicklung der Gesellschaft. Ziel ist die klassenlose Gesellschaft, in der die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist. In der neuen Gesellschaft ist das Privateigentum an den Produktionsmitteln abgeschafft und damit der Antagonismus von Kapital und Arbeit aufgehoben.

Der Marxismus geht davon aus, dass die Menschheitsgeschichte und die gesellschaftliche Entwicklung, ähnlich wie die Natur, nach Gesetzmäßigkeiten verläuft. Diese aus dem Studium der Geschichte der Menschheit gewonnene Gesetzmäßigkeit beschreibt den Prozess der Entstehung, Entwicklung und Ablösung einer Gesellschaft durch eine höhere. Die Geschichte wird als eine Geschichte von Klassenkämpfen aufgefasst. Der Kapitalismus ist demnach nicht das Ende der Menschheitsgeschichte. Sein Untergang sei historisch ebenso unvermeidlich wie der Untergang von vorhergehenden Gesellschaften.

In der kapitalistischen Gesellschaft stehen sich nach dem Marxismus die ausbeutende Klasse der bürgerlichen Kapitalisten (Kapital als Eigentümer an Produktionsmitteln) und die ausgebeutete Klasse der Arbeiterschaft (Proletariat als "Eigentümer" bloßer Arbeitskraft) voneinander entfremdet gegenüber. - Im Hintergrund steht hier das Modell des Philosophen G. W. F. Hegel (1770-1831) von "Herr und Knecht" (der Herr beutet den Knecht aus, ist aber ohne ihn nicht denkbar, erst beide zusammen - vereinigt in einem Menschen - würden den vollen, ganzen Menschen ergeben).

Der Wert der Arbeitskraft wird im Verwertungsprozess des Kapitals nicht hinreichend entlohnt. Mit dem so entstandenen Mehrwert kann der bürgerliche Kapitalist auf Kosten des arbeitenden Proletariats Kapital ansammeln. Dieser erwirtschaftete Profit wiederum wird zur Entwicklung neuer Techniken (Maschinen, Fabriken etc.) verwandt, die einerseits den Profit steigern und andererseits überflüssige Arbeitskräfte freisetzen. Dies führt zu Lohndruck und zur Verelendung des Proletariats. Konsequenz ist eine Verschärfung des Klassengegensatzes zwischen Bürgertum und Proletariat, der sich notwendigerweise in Klassenkämpfen, in einer Revolution des Proletariats entlädt. Nach einer vorübergehenden Diktatur des Proletariats münde dieser Prozess automatisch in eine kommunistische klassenlose Gesellschaft.