Verfassungsschutz

Al-Qaida

Das von Usama Bin Ladin inspirierte Netzwerk 'al-Qaida' (Die Basis) stellt derzeit die größte Gefahr im Bereich des islamistischen Terrorismus dar. Es handelt sich um einen Zusammenschluss unterschiedlicher Gruppierungen, die nur lose miteinander verbunden sind und in ideologischer Hinsicht Übereinstimmungen aufweisen. Erstmals trat al-Qaida zur Zeit der sowjetischen Besatzung Afghanistans 1979-1989 in Erscheinung und erfüllte den Zweck der logistischen Unterstützung der afghanischen Kämpfer.

 

Im Jahre 1998 verlautbarte Bin Ladin zur Ausbildung und Unterstützung von zumeist arabischen Mujahidin, die auf Seiten der Taliban gegen die Sowjets und die afghanische "Nordallianz" gekämpft hatten, einen Aufruf zur Bildung einer "Islamischen Weltfront zum Kampf gegen Juden und Kreuzfahrer". Bin Ladin verkündete – ohne ein islamischer Rechtsgelehrter zu sein – ein islamisches Rechtsgutachten (fatwa), das den Mord an Juden und Amerikanern für legitim und eine individuelle Pflicht eines jeden Muslim erklärte.

 

Der von Usama Bin Ladin propagierte Jihad unterscheidet sich vom bewaffneten Jihad der klassischen islamischen Rechtsgelehrten in drei wichtigen Punkten:

  • Jede Gewaltaktion seitens der Jihadisten wird als "Verteidigung" definiert, jede Aktion der Gegenseite als Angriff. Die Befürwortung des Rechts und der Pflicht zur Verteidigung bei klassischen Theologen wird so umgedeutet in eine "Angriffsdoktrin".
  • Die Pflicht zur Verteidigung wurde ursprünglich als eine kollektive Aufgabe betrachtet. Standen genügend Kämpfer an den Grenzen des islamischen Herrschaftsgebietes zur Verteidigung bereit, waren die übrigen Bewohner von der Verpflichtung zum Jihad entbunden. Nach der neuen Interpretation wird der Jihad dagegen zur Pflicht für jeden einzelnen Muslim.
  • Während die "klassische" Scharia beim Jihad die Kampfhandlung auf feindliche Kämpfer begrenzte, Nicht-Kombattanten aber unbedingt zu schonen waren, unterscheidet die neue Interpretation Bin Ladins erklärtermaßen nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen.

Das 'al-Qaida'-Netzwerk ist – im Gegensatz zu anderen terroristischen Netzwerken – nicht auf ein Territorium begrenzt, sondern verfolgt das globale Ziel der Herausdrängung des westlichen Einflusses aus der islamischen Welt. Außerdem sind keine festen Organisationsstrukturen vorhanden. Die Mehrheit der Glaubenskämpfer ist arabischer Herkunft, doch finden sich zunehmend auch Gefolgsleute aus anderen Nationen. Über die Medien und das Internet kann 'al-Qaida' als Handlungsmuster gegen das Feindbild "Westen" überall abgerufen werden. Das einende Moment sind die politisch-religiösen Überzeugungen, die früher vom Widerstand gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan bestimmt waren und heute von einem unversöhnlichen Hass gegen Israel, die USA und ihre westlichen Verbündeten gespeist werden.

weitere Stichworte

Was ist ...?

Fatwa
FatwaGutachten, das ein islamischer Rechtsgelehrter zu einer bestimmten Frage im Hinblick auf das, was im Islam erlaubt oder verboten ist, aufgrund der Scharia erstellt.
Islamismus
IslamismusEine extremistische Ideologie, die sich gegen westliche Werte- und Ordnungsvorstellungen richtet und das Ziel verfolgt, eine gesellschaftliche, rechtliche und staatliche Ordnung auf der Grundlage einer fundamentalistischen oder konservativen Auslegung des Islam zu errichten und damit einen "islamischen Staat" zu schaffen.
JihadJihadMeistens wird dieser Begriff mit "Heiliger Krieg" übersetzt; zutreffender ist "Heiliger Kampf". An sich meint Jihad Anstrengung, Bemühung und Kampf für den Islam. Die Formen, die hierfür gewählt werden, können unterschiedliche sein, friedlich aber auch gewaltsam. Seitens islamistischer Gruppierungen wird dieser Begriff häufig verwendet. Militante Gruppierungen rechtfertigen damit ihre gewaltsamen Aktionen.
JihadMeistens wird dieser Begriff mit "Heiliger Krieg" übersetzt; zutreffender ist "Heiliger Kampf". An sich meint Jihad Anstrengung, Bemühung und Kampf für den Islam. Die Formen, die hierfür gewählt werden, können unterschiedliche sein, friedlich aber auch gewaltsam. Seitens islamistischer Gruppierungen wird dieser Begriff häufig verwendet. Militante Gruppierungen rechtfertigen damit ihre gewaltsamen Aktionen.
MuslimeMuslimeMuslim ist eine Ableitung von dem arabischen Wort Islam und bezeichnet jenen, der die Religion des Islam praktiziert bzw. ihr anhängt.
TalibanTalibanTaliban ist der persischer Plural von arabisch "talib" (Student), der als Bezeichnung für eine Gruppe streng islamischer Milizen in Afghanistan verwendet wird. Einen Großteil ihrer Mitglieder rekrutierten die Taliban aus den Koranschulen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze, daher diese Bezeichnung. Ihr Handeln und ihre Ideologie sind stark vom fundamentalistischen Islam (Wahhabismus) und vom paschtunischen Gewohnheitsrecht "Paschtunwali" beeinflußt. Politisch und militärisch formierten sich die Taliban Anfang der 1990er Jahre, nach dem Ende der sowjetischen Besatzung Afghanistans. Im Verlauf der Kämpfe rivalisierender Milizen entwickelten sich die Taliban ab 1995 zur dominanten Fraktion innerhalb Afghanistans. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kamen sie der Forderung der USA nicht nach, Usama bin Laden, der mit Unterbrechungen seit den 1980er Jahren mit seiner Organisation al Qaida in Afghanistan war, auszuliefern. Daraufhin begann 2002 der von der UNO sanktionierte Angriff der USA und ihrer Verbündeten auf die Taliban, der das Ende ihrer Herrschaft einläutete.