Verfassungsschutz

Muslime als Opfer einer "weltweiten Unterdrückung"

Ein wichtiger Teil der islamistischen Weltsicht ist die Auffassung, dass Muslime weltweit unterdrückt, gequält und ihrer Rechte beraubt würden und sogar von physischer Auslöschung bedroht seien. Als Beleg für diese Auffassung werden unter anderem die Situation der Palästinenser, das Schicksal der bosnischen Muslime während des Jugoslawienkrieges, die Lage der Tschetschenen und vor allem die Situation im Irak unter amerikanischer Besatzung angeführt. An all diesen Beispielen soll aufgezeigt werden, dass sowohl westliche Mächte wie auch die eigenen autoritären Staaten alles daran setzten, den Muslimen das Recht auf Selbstbestimmung und ungehinderte Ausübung ihrer Religion vorzuenthalten. Der Westen trüge dabei stets die Verantwortung, entweder durch direkte Intervention oder als "Drahtzieher" im Hintergrund, wenn er die "unterdrückerischen" Systeme der Region stütze. Dieser Opferdiskurs spielt für die Legitimation islamistischer Bewegungen eine große Rolle, denn durch ihn finden die Anhänger ein gemeinsames, identitätstiftendes Element und sehen sich weltweit mit allen anderen Muslimen in einer ideellen Gemeinschaft verbunden.

Hinter lokalen Auseinandersetzungen verbergen sich jedoch meist nationale und ethnische beziehungsweise Minderheitenkonflikte, häufig ausgelöst durch ökonomische Verteilungskämpfe. Diese werden religiös aufgeladen und dienen dann international agierenden islamistischen Terroristen als Aktions-, Trainings- und Agitationsfeld. Besondere Brisanz hat nach wie vor der ungelöste Palästinakonflikt, sowie seit 2003 der Krieg im Irak. Die massiven Vergeltungsschläge des israelischen Militärs gegen die terroristischen Organisationen wie auch gegen die Autonomiebehörde sowie der Umstand, dass häufig unbeteiligte palästinensische Zivilisten bei den Aktionen des israelischen Militärs zu Tode kommen, hinterlassen in der islamischen Welt den Eindruck eines sukzessiven Massenmords. Die Emotionalisierung durch den Palästinakonflikt ist entsprechend hoch und die Feindbilder "Zionismus", "USA" und "der Westen" im Allgemeinen werden mit dem Hinweis auf diesen Konflikt geschürt. Ähnliches gilt für die Wirkungskraft der Bilder und Berichte aus dem Irak und Afghanistan. Die westliche Militärintervention wird als umfassendes westliches Dominanzstrebens gedeutet, das keinerlei Rücksicht auf zivile Opfer nehme und macht- und wirtschaftspolitischen Interessen diene.