Verfassungsschutz

„Die Radikalisierung von zunehmend mehr – vor allem junger – Menschen in diesem Umfeld stellt eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft dar.“ Innenminister Ralf Jäger

Salafismus

Salafismus ist eine fundamentalistische Strömung innerhalb des sunnitischen Islam. Teile des Salafismus sind als extremistische Bestrebung einzuordnen.

Alle Muslime berufen sich in ihrer religiösen Überzeugung auf den Koran und die Vorbildfunktion des Propheten Muhammad (die sogenannte „Sunna“). Der Salafismus ist dabei durch eine besondere Rückwärtsgewandtheit geprägt.

Daneben kann er aber auch die Gestalt einer politischen Ideologie mit demokratiefeindlichen Elementen annehmen. Dies begründet dann die Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

Extremistische salafistische Prediger und Netzwerke bieten durch gewaltverherrlichende Propaganda zudem einen höchst problematischen Nährboden für Radikalisierungsprozesse. In entsprechenden Milieus finden gewaltbereite Einzelpersonen zusammen und es besteht die Gefahr, dass daraus terroristische Netzwerke entstehen.

Die konsequente Trennung von „guten Gläubigen“ und „bösen/satanischen Ungläubigen“ stigmatisiert und wirkt desintegrierend. Sie führt zur Bildung von Parallelgesellschaften sowie zur entwürdigenden Herabsetzung vermeintlicher „Feinde“. Darunter sind alle zu verstehen, die sich der strengen ideologischen Auslegung nicht unterwerfen wollen.

Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern gehen davon aus, dass die Zahl der Personen in den verschiedenen extremistischen salafistischen Szenen in Nordrhein-Westfalen weiter steigen wird.

Anzahl der bekannten Aktivisten

NRW Bund
2011 500 3.800
2012 1.000 4.500
2013 1.500 5.500
2014 1.900 7.000
2015 2.500 8.350

Von einer größeren Zahl von Unterstützern im Umfeld ist auszugehen. Bei aktuell geschätzten rund 1,3 bis 1,5 Millionen Muslimen in Nordrhein-Westfalen beläuft sich der Anteil der vom Verfassungsschutz beobachteten Salafisten auf rund 0,1 Prozent.

 

Extremistische Salafisten streben übergreifend ein gemeinsames Ziel an: Sie wollen ein Leben allein nach ihren Regeln führen und möglichst einen islamischen Staat zulasten demokratischer Staatsordnungen errichten. Der Verfassungsschutz stuft etwa zehn Prozent dieses Personenkreises wegen der Bereitschaft zur Durchsetzung ihrer Ideologie auch mittels Gewalt als Akteure ein, von denen besondere und unmittelbare Gefahren ausgehen können. Sie werden der sogenannten „jihadistischen“ Strömung zugerechnet.

 

Salafismus ist nach aktuellen Analysen des Verfassungsschutzes zu etwa 90 Prozent ein Phänomen im Bereich muslimisch-stämmiger Bevölkerungsgruppen, insbesondere junger Menschen der zweiten, dritten und mittlerweile auch vierten Generation eingewanderter Familien.

 

Bis zu zehn Prozent der Salafisten sind Konvertiten, also keine „Geburtsmuslime“. In den salafistischen Netzwerken wird überwiegend deutsch gesprochen. Rund drei Viertel der Personen haben die deutsche Staatsangehörigkeit.

 

 

Mehr zum Thema