Verfassungsschutz

Metin Kaplan

Metin Kaplan wurde am 14. November 1952 in der Nähe von Erzurum (Türkei) geboren. Er ist der Sohn von Cemaleddin Kaplan, dem als "Khomeini von Köln" bekannten Gründer der Organisation 'Islami Cemaat ve Cemiyetler Birligi' (ICCB), aus der 1994 der im Dezember 2001 wieder verbotene 'Kalifatstaat' hervorging.

 

Nach dem Tod seines Vaters 1995 trat Metin Kaplan dessen Nachfolge als selbsternannter "Kalif" an und führte die Organisation 'Kalifatstaat' weiter. Da er die öffentlichen Gewaltaufrufe seines Vaters fortsetzte, wurde 1996 auch gegen ihn ein Verbot der politischen Betätigung verfügt. Im Sommer 1996 eskalierte ein Streit zwischen Halil Ibrahim Sofu (alias Yusuf Hoca), dem "Gebietsjugendemir" des 'Kalifatsstaats' von Berlin, und Metin Kaplan. Ibrahim Sofu wurde schließlich in Berlin von seinen Getreuen ebenfalls zum "Kalifen" gekürt. Hierauf reagierte Kaplan mit einer Fatwa, die in der Verbandszeitschrift 'Ümmet-i Muhammed' vom 19. Juli 1996 wie folgt wiedergegeben wurde:

"Was passiert mit einer Person, die sich, obwohl es einen Kalifen gibt, als einen zweiten Kalifen verkünden lässt? Dieser Mann wird zur Reuebekundung gebeten. Wenn er nicht Reue bekundet, dann wird er getötet."

 

Am 8. Mai 1997 wurde der "Gegenkalif" Ibrahim Sofu von drei unbekannten maskierten Tätern nachts in seiner Wohnung erschossen. Gegen Kaplan wurde daraufhin Anklage wegen Aufrufs zum Mord erhoben. Am 15. November 2000 wurde er zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

 

Noch während der Haftzeit Kaplans wurde seine Organisation am 8. Dezember 2001 durch das Bundesministerium des Innern verboten. Seit Beendigung seiner Haftstrafe am 27. März 2003 bemühte sich die Bundesregierung darum, Kaplan, der als anerkannter Asylbewerber in der Bundesrepublik lebte, in die Türkei auszuliefern. Diese Bemühungen waren zunächst nicht erfolgreich. Deutsche Gerichte sahen die Menschenrechtssituation in der Türkei als nicht hinreichend sicher für den in der Türkei der Verschwörung und des Hochverrats beschuldigten Metin Kaplan an. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln, die am 12. Oktober 2004 den Parteien zugestellt wurde, konnte Kaplan schließlich doch in die Türkei abgeschoben werden. In der Türkei wurde Kaplan mittlerweile zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen eines 1998 von 'Kalifatsstaats'-Anhängern geplanten Attentats gegen die gesamte politische Führung der Türkei verurteilt.