Cemaleddin Kaplan
Cemaleddin Kaplan, der Gründer des so genannten 'Kalifatsstaats', kam 1926 in Ispir bei Erzurum (Türkei) zur Welt. Er absolvierte 1966 die Theologische Hochschule in Ankara und war danach bis 1971 als Mufti in Adana tätig. Nach dem Militärputsch in der Türkei vom 12. September 1980 und der Schließung der islamistischen 'Partei des Nationalen Heils' von Necmettin Erbakan ging Kaplan nach Deutschland, wo er politisches Asyl erhielt.
Zunächst beteiligte er sich auch in Deutschland an den Aktivitäten der 'Milli-Görüs'-Bewegung. Im Jahre 1983 trennte sich Kaplan, der in der Irsad- (geistige und ethische Führung) und Fatwa- (Rechtsgutachten-) Kommission tätig war, von 'Milli-Görüs'. Grund dafür war die Gründung der 'Refah-Partei' durch Necmettin Erbakan, dem Führer der 'Milli-Görüs'-Bewegung. Kaplan vertrat im Gegensatz zu Erbakan die Meinung, dass sowohl politische Parteien als auch die Partizipation an demokratischen Institutionen mit dem Islam nicht vereinbar seien. Nach seiner Trennung von 'Milli-Görüs' gründete er deshalb 1983 in Köln seine eigene Organisation, die 'Islamî Cemiyetler ve Cemaatler Birligi' (ICCB, 'Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V.'). Unter seiner charismatischen Führung hatte der Verband in seinen Hochzeiten etwa 7.000 Anhänger bundesweit.
Kaplan begann auch, öffentlich für die Gewalt zur Durchsetzung seiner Ziele aufzurufen. Er propagierte die Abschaffung der säkularen und demokratischen Ordnung in der Türkei und statt dessen die Errichtung eines theokratischen islamischen Staates an ihrer statt. 1987 wurde daher gegen ihn in Deutschland ein Verbot der politischen Betätigung verfügt. Im März 1989 unterstützte Kaplan auf einer Demonstration gegen Salman Rushdie die gegen diesen gerichtete Todes-Fatwa von Ayatollah Khomeini. Zudem bekannte er sich zu dem Ziel, den Koran zur Staatsverfassung für die gesamte Menschheit sowie den Islam zu einem einzigen, weltumfassenden Staat und zum Träger der Weltherrschaft, Weltpolitik und Weltzivilisation machen zu wollen. Ende 1991 forderte Kaplan seine Anhänger zum Glaubenskrieg gegen die Türkei auf.
Im April 1992 rief er auf einer Großveranstaltung des ICCB in Köln den 'Anadolu Federal Islami Devleti' (AFID, 'Islamischer Bundesstaat Anatolien') aus und erklärte sich selbst zum Emir-Regenten. Seit 1994 bezeichnete er seinen Verband als 'Kalifatsstaat' ('Hilafet Devleti'). Cemaleddin Kaplan erklärte sich in der Kölner Ulu-Moschee selbst zum Kalifen und Emir der Gläubigen. Dies führte allerdings dazu, dass sich eine Reihe seiner Anhänger von ihm abwandten, da ihnen dieser Schritt als übertrieben erschien. Zusätzlichen Unmut verursachten Cemaleddin Kaplans Bemühungen, die vereinseigenen Immobilien der örtlichen ICCB-Vereine auf die 1990 in Rotterdam errichtete Stiftung 'Stichting Dinaar aan Islam' zu überschreiben. In die finanziellen Angelegenheiten dieser Stiftung hatten neben Cemaleddin Kaplan nur wenige enge Vertraute Einblick.
Die Anhänger Kaplans fielen in der Öffentlichkeit oft durch ihre exotische Kleidung auf. Die Männer trugen Turban, weite Mäntel und Pluderhosen, die Frauen und Mädchen meist einen schwarzen Ganzkörperschleier.
Die Presse verlieh Kaplan aufgrund seiner Sympathie gegenüber der iranischen Revolution die Beinamen "Kalif von Köln" und "Khomeini von Köln". Er selbst nannte sich auch "Cemaleddin Hocaoglu" (der Sohn des Hoca), um darauf hinzuweisen, dass bereits sein Vater ein religiöser Gelehrter (Hoca) war. Nachdem Kaplan im Mai 1995 verstorben war, übernahm sein Sohn Metin Kaplan, auch Metin Müfüoglu (Sohn des Muftis) genannt, das Amt des "Kalifen". In der Folge verlor der 'Kalifatsstaat' jedoch immer mehr Anhänger, was nicht zuletzt auf das mangelnde Charisma des neuen "Kalifen" zurückgeführt wird.











weitere Stichworte


Was ist ...?


