Verfassungsschutz

Usama Bin Ladin

Der vermutlich 1957 in Saudi Arabien geborene und aufgewachsene Usama Bin Ladin war Kopf des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida, das für den bislang spektakulärsten Terroranschlag in den USA vom 11. September 2001 verantwortlich ist. Während Bin Ladin eine direkte Verbindung zur Attentatsplanung in den USA hatte, war sein Einfluss danach eher indirekt. Er fungierte als geistiger Mentor, der Jihadisten weltweit inspiriert und anspornt. Es ist davon auszugehen, dass Mitglieder seiner Dachorganisation al-Qaida direkte oder indirekte Hilfestellung bei der Vorbereitung und Durchführung von Anschlägen leisten bzw. dass sich einzelne Terrorzellen von den Positionen Bin Ladins inspiriert sehen, um dann selbstständig in allen Teilen der Welt Anschläge gegen westliche Einrichtungen und Symbole westlicher Wirtschaftsmacht und Kultur zu verüben.

 

Usama Bin Ladin war in den 80er Jahren in Afghanistan als Finanzier der Ausbildungscamps und Kommandeur kämpfender Einheiten aktiv. Um 1988 gründete er seine Organisation, nachdem er zuvor 10 Jahre mit dem einflussreichen, aus Palästina stammenden Islamisten Abdullah Azzam zusammen gearbeitet hatte. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 ging Bin Ladin zunächst nach Saudi Arabien zurück, wo er bald zu einem gefürchteten Kritiker des saudischen Herrscherhauses wurde, das ihm deswegen 1994 die Staatsbürgerschaft entzog. Nach einer Zwischenstation im Sudan, wo er sich ebenfalls der Ausbildung militanter Glaubenskämpfer widmete, kehrte er 1996 nach Afghanistan zurück.

 

Während Bin Ladin seinen Fokus bis zu Beginn der 90er Jahre vor allem auf das saudische Regime gerichtet hatte, attackierte er später in erster Linie die US-amerikanische Militärpräsenz in Saudi Arabien, die aus dem Golfkrieg um Kuwait entstanden war. Die Präsenz amerikanischer Truppen wertete Bin Ladin wie viele andere Muslime als Sakrileg, denn die arabische Halbinsel beherbergt mit Mekka und Medina die beiden wichtigsten islamischen Stätten. Die US-Präsenz brandmarkte Bin Ladin als amerikanische Bestrebung zur "Unterjochung aller Muslime" und als Versuch, amerikanische Hegemonialinteressen durchzusetzen und erklärte vor diesem Hintergrund den USA 1996 den Krieg. 1998 gründete seine Organisation 'al-Qaida' gemeinsam mit dem ägyptischen 'al-Jihad al-Islami', der ebenfalls ägyptischen Organisation 'al-Gama'a al-Islamiya' (bereits 1998 wieder ausgetreten), der pakistanischen 'Jamiat ul-Ulema-Pakistan', der kaschmirischen 'Harakat al-Muhjahidin' und der bengalischen 'Jihad'-Bewegung die 'Islamische Weltfront zum Kampf gegen Juden und Kreuzfahrer' und erließ ein islamisches Rechtsgutachten, das den Mord an Juden und Amerikanern für legitim erklärte.

Im Sommer 1998 wurden Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia verübt, die Bin Ladin zugeschrieben werden. Die amerikanischen Vergeltungsschläge der Clinton-Regierung, die diese gegen Lager in Afghanistan sowie gegen eine Pharmafabrik im sudanesischen Khartum durchführte, steigerten Bin Ladins Versessenheit auf einen entscheidenden Schlag gegen die Amerikaner noch weiter. Die spektakulären Anschläge vom September 2001 waren bislang grausamster Höhepunkt seiner Angriffe.

 

Von einer eigenständigen Ideologie Usama Bin Ladins kann nicht gesprochen werden. Vielmehr lässt sich bei ihm wie auch bei seinen Anhängern vor allem die puritanische Auslegung des strikten Islamverständnisses saudischer Prägung und absolute Gewaltbereitschaft (jihadistischer Salafismus) nachweisen. Bin Ladin verfügte nicht über eine religiöse Ausbildung, er war kein Theologe sondern repräsentierte einen modernen Typus des selbst ernannten religiösen Gelehrten, der eigenständige Auslegungen islamischer Texte und Grundwerte vornimmt, um sie gemäß seinen Auffassungen an die aktuellen Bedingungen anzupassen. Im Gegensatz zu vielen anderer islamistischen, zum Teil gewaltfrei agierenden Gruppierungen, versucht Bin Ladin nicht, mit sozialrevolutionären Ideen die Massen an sich zu binden und legitimiert sich auch nicht durch Versprechungen an die Armen, sie aus ihrer Not zu befreien. Als der eigentliche Ideologe der 'al-Qaida' gilt der Ägypter al-Zawahiri, vormals Anführer der militanten ägyptischen Organisation 'al-Gama'a al-Islamiya', die wiederum in den 90er Jahren in Ägypten durch blutige Anschläge von sich reden machte.

 

Die Suche nach Usama Bin Ladin endete mit seinem Tod in Pakistan.

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Hegemonie
HegemonieVor allem ein staatspolitischer Begriff, der die durch zwischenstaatliche Verträge abgesicherte Vorherrschaft eines Staates beschreibt. Als hegemonistisch kann aber auch das Übergewicht eines Staates im wirtschaftlichen oder kulturellen Bereich bezeichnet werden. Rechtsextremisten denken insofern hegemonial, als sie ein Deutschland in seinen alten Reichsgrenzen anstreben und ihm eine Führungsfunktion im politischen Geflecht Europas zuweisen wollen. Im Islamismus wird den USA und anderen westlichen Staaten unterstellt, die islamische Welt und insbesondere die ölreichen Länder unter ihre Kontrolle bringen zu wollen.
Islamismus
IslamismusEine extremistische Ideologie, die sich gegen westliche Werte- und Ordnungsvorstellungen richtet und das Ziel verfolgt, eine gesellschaftliche, rechtliche und staatliche Ordnung auf der Grundlage einer fundamentalistischen oder konservativen Auslegung des Islam zu errichten und damit einen "islamischen Staat" zu schaffen.
Jihad
JihadMeistens wird dieser Begriff mit "Heiliger Krieg" übersetzt; zutreffender ist "Heiliger Kampf". An sich meint Jihad Anstrengung, Bemühung und Kampf für den Islam. Die Formen, die hierfür gewählt werden, können unterschiedliche sein, friedlich aber auch gewaltsam. Seitens islamistischer Gruppierungen wird dieser Begriff häufig verwendet. Militante Gruppierungen rechtfertigen damit ihre gewaltsamen Aktionen.
MuslimeMuslimeMuslim ist eine Ableitung von dem arabischen Wort Islam und bezeichnet jenen, der die Religion des Islam praktiziert bzw. ihr anhängt.
Salafiyya
SalafiyyaDie Entwicklung der Salafiyya ist in mehrere Phasen zu unterteilen. Die "klassische" Salafiyya entstand etwa im 13. Jahrhundert n. Chr.; ihr Anliegen war es, unter Rückbezug auf die Altvorderen - arabisch "salaf", daher die Bezeichnung Salafiyya - den "wahren Islam" neu zu beleben und sich gegen Missstände jener Zeit zu wenden. Auch die Wahhabiyya schloss später hieran an. Im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts traten liberale Vertreter der Salafiyya auf, die den Islam reformieren und die islamischen Gesellschaften in die Moderne führen wollten. Die liberalen Elemente gingen jedoch bald wieder verloren und radikal-islamische sowie gewaltbefürwortende Strömungen setzen sich durch. Die heutige Salafiyya zeichnet sich wie die Wahhabiyya durch einen strengen religiösen Purismus aus, der sich auf eine enge Schriftauslegung stützt. Darüber hinaus werden Muslime anderer Richtungen, z. B. Schiiten, als Ungläubige betrachtet und Gewalt als Mittel der Durchsetzung des eigenen Islamverständnisses gut geheißen.
WahhabiyyaWahhabiyyaEine islamisch-puritanische Bewegung, die nach ihrem Gründer Muhammad ibn Abd al-Wahhab (st. 1792) benannt ist. Sie zeichnet sich durch einen strengen religiösen Purismus aus, der sich auf eine enge Schriftauslegung stützt (vgl. auch Salafiyya). Ibn Abd al-Wahhab wurde beim arabischen Fürsten Muhammad ibn Saud aufgenommen, und es kam zu einer engen Verbindung der wahhabitischen Lehre mit dem Haus der Familie Saud, die seit Mitte des 18. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel immer weiter expandierte. In Saudi-Arabien ist die Wahhabiya herrschende Doktrin, die seit den 1970er Jahren durch verschiedene saudische Stiftungen mit großem finanziellem Aufwand in der gesamten islamischen Welt stark gefördert wurde.