Verfassungsschutz

Fallbeispiel: Mike

Ohne Hilfe fehlt die nötige Kraft für den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene

Mike ist 14 Jahre alt als sich seine Eltern trennen und er mit seiner Mutter in eine neue Stadt zieht. In der neuen Schule fasst er nicht Fuß, seine Noten verschlechtern sich. Einige ältere Schüler gehören einer rechten Clique an – von vielen an der Schule sind sie gefürchtet. „Komm mal vorbei“, sagt einer, „…abhängen … Musik hören“. In den Liedern geht es darum, dass das System die Volksgemeinschaft der Deutschen zerstöre, dass die weiße Rasse um ihre Macht kämpfen müsse. Alkohol fließt bei den Treffen in rauen Mengen – regelmäßig stürzt Mike ab. Dass „Kampf“ gegen „das System“ für seine vermeintlichen Freunde auch Gewalt bedeutet, erlebt er häufig. Immer wieder hat Mike aber den Eindruck, dass es den Wortführern vor allem um den eigenen Vorteil geht. Er will im Alter von 22 Jahren raus aus dieser Szene – aber ohne Hilfe fehlt ihm dafür die Kraft.

 

Deswegen wählt er die Telefonnummer 0180-3100110. Ein Polizist hat Mike zuvor einen Flyer des Aussteigerprogramms in die Hand gedrückt. Am anderen Ende meldet sich der Mitarbeiter des Bürgertelefons NRWdirekt. Er erkundigt sich bei Mike in groben Zügen nach dessen bisherigem Lebenslauf. Zum Ende des Gespräches bittet er Mike um eine Rückrufnummer. „Das kann ja dauern!“, denkt Mike an sonst übliche Bearbeitungszeiten bei Behörden. Umso überraschter ist er, als sich bereits am nächsten Tag Felix Medenbach bei ihm meldet, um einen persönlichen Gesprächstermin zu vereinbaren.

 

Bei diesem ersten Treffen erläutert Medenbach, welche Hilfe das Aussteigerprogramm für Mike grundsätzlich bietet und legt ihm direkt nahe, sein Äußeres zu verändern. Mike solle sich zum Beispiel die Haare wachsen lassen und nicht mehr in Szenekleidung herumlaufen. Sonst würde er einen schlechten Eindruck bei potenziellen Vermietern und Vorstellungsgesprächen machen. An die Möglichkeit, dass seine vergebliche Suche nach einem Ausbildungsplatz etwas mit seinem Äußeren zu tun habe, hat Mike gar nicht gedacht.

 

Mike kann in der Folge ein kleines Appartement mit eingebauter Kochnische beziehen. Der Aussteigerberater Medenbach hilft Mike, den Kontakt zu seinem Vater wieder herzustellen. Der Vater überlässt Mike einige Möbel und hilft ihm beim Umzug. Für die noch fehlenden Haushaltsartikel bekommt Mike ein zinsloses 500-Euro-Darlehen aus dem Aussteigerprogramm, das er in 25-Euro-Raten monatlich zurückzahlt, sobald er Arbeit hat. Zusammen mit Medenbach stellt Mike Bewerbungsunterlagen für eine Ausbildung zusammen. Die Bilder für die Bewerbungen und das Porto „spendiert“ das Aussteigerprogramm. Mike findet einen Ausbildungsplatz im Bauhandwerk.

 

Felix Medenbach freut sich, als Mike seine Freundin Nadine kennen lernt. Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß er, dass eine Liebesbeziehung ein starkes Motiv ist, der rechten Szene dauerhaft den Rücken zu kehren. Der Aussteigerberater weiß, dass ein Ausstieg aus der rechten Szene langwierig ist. Wenn sie jedoch andere sozialen Kontakte aufbauen, wird der Ausstieg leichter.

Hilfestellung

  • Das Call-Center der Landesregierung "Nordrhein-Westfalen direkt" vermittelt Rat und Hilfe zum Thema "Rechtsextremismus". Für Bürgerinnen und Bürger sowie Aussteigewillige ist die zentrale Rufnummer 0211 837-1001 geschaltet. mehr>>
Aussteigerprogramm
Weitere Stichworte