Verfassungsschutz

Jung, fanatisch, gewaltbereit - Innenminister Jäger: Salafisten im Visier des NRW-Verfassungsschutzes - Analyse zu konvertierten Islamisten vorgestellt

Pressemitteilungen, Polizei, Verfassungsschutz | 05.09.2011

Die Sicherheitsbehörden in NRW haben Islamisten und Salafisten im Land weiterhin im Visier. Der Verfassungsschutz beobachtet dabei verfassungsfeindliche Bestrebungen und die Verbindungen zum internationalen, islamistischen Terrorismus. Große Sorge bereiten speziell junge Deutsche und in Deutschland geborene Nicht-Muslime, die zum Islam konvertieren und tief in die salafistischen Kreise geraten. „Sie treten häufig besonders fanatisch und aggressiv auf“, erklärte Innenminister Ralf Jäger heute (5. September) in Düsseldorf bei der Vorstellung der bundesweit umfassendsten Analyse über Konvertiten im islamistischen Umfeld. Die Analyse des Verfassungsschutzes belegt, dass Islamisten angesichts von 1,3 Millionen Muslimen in NRW nur eine kleine Minderheit darstellen. Von den rund 500 in NRW bekannten Salafisten gehören 20 bis 30 den jihadistischen Gruppierungen oder deren Umfeld an. Doch von ihnen geht eine große Gefahr aus. „Dabei ist der politische Salafismus die am schnellsten wachsende islamistische Bestrebung und der ideologische Nährboden für den internationalen Terrorismus“, warnte Jäger. Der Verfassungsschutz hat deshalb die Lebensläufe von rund 130 Konvertiten aus dem islamistischen Umfeld analysiert. Er kommt zu dem Ergebnis, dass es sich sehr häufig um labile Charaktere mit Auffälligkeiten im Sozialisationsverlauf handelt. Der Großteil ist männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Oftmals liegen gestörte familiäre Verhältnisse und ein Mangel an sozialen Bindungen vor. 25 Prozent dieser Gruppe sind arbeitslos. Rund 60 Prozent haben vor oder nach ihrer Konversion Straftaten verübt. Bei etwa 15 Prozent besteht eine Affinität zur Gewalt. Der typische Lebenslauf eines solchen Konvertiten sieht etwa so aus: Daniel ist gebürtiger Deutscher. Er hat mehrere Geschwister, aber in der Familie ist er das schwarze Schaf. Daniel fehlt eine klare Struktur im Leben. Es fällt ihm schwer, soziale Bindungen einzugehen. Nach der Schule findet er keinen Ausbildungsplatz. Ihm fehlt die Perspektive, und er fühlt sich von der Gesellschaft im Stich gelassen. Über Bekannte gerät er in salafistische Kreise. Die Vorgabe eines klaren Weltbildes, das Schwarz-Weiß-Denken, die scheinbare Geborgenheit und Brüderlichkeit faszinieren ihn. Der Salafismus bietet ihm scheinbar klare und einfache Antworten. Daniel konvertiert zum Islam und nennt sich fortan Abdalhakim. Seine neue Heimat wird eine Hinterhofmoschee, in der auch aggressive Prediger Vorträge halten. Hier beginnt seine Ideologisierung und Fanatisierung. Die Botschaften der Salafisten sind einfach. Es gibt eine klare Einteilung in gut und böse. Eindeutige und unveränderliche Werte und Normen werden vorgegeben, sie dienen als Handlungsvorschrift in allen Lebenslagen. All das wirkt auf junge, sozial entwurzelte Männer verlockend. „Sie sind ein leichtes Opfer für die salafistischen Verführer“, sagte Jäger. Das außergewöhnliche Gefahrenpotential liegt darin, dass Salafisten ihr Weltbild mit einem Absolutheitsanspruch verfolgen und jeden Dialog ablehnen. Kritik wird rigoros unterbunden. „Der Salafismus bietet den Nährboden für den Jihadismus“, erklärte Jäger. „Wir nehmen die von den Salafisten ausgehende Gefahr daher weiter sehr ernst.“

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