Reden

Rede von Minister Ralf Jäger anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen "Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit"

Reden Minister Jäger | 31.08.2012

Anrede,

ich möchte Ihnen heute zusammen mit dem Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Sandrock, das neue "Nationale Konzept Sport und Sicherheit" vorstellen. Und lassen Sie mich eins gleich zu Anfang klar stellen: Wir müssen handeln. Gemeinsam. Im Verbund von Polizei, Kommunen, Vereinen und Verbänden, Fanprojekten, Verkehrsunternehmen und weiteren Netzwerkpartnern. Denn so darf es im Fußball nicht weiter gehen.

Anrede,

die Fußballsaison 2012/2013 ist gerade einmal wenige Wochen alt. Und an jedem Spieltag kommt es zu Gewalt, zu Schlägereien und zu Angriffen auf Polizisten. In dieser noch jungen Saison kam es schon jetzt bei 42 Spielen zu Ausschreitungen. Allein am vergangenen Wochenende mussten mehr als 1.000 Polizisten aus NRW Fußballspiele der ersten drei Ligen schützen.

Ein Beispiel vom letzten Wochenende: Beim Spiel zwischen Hannover 96 und Schalke 04 gingen Schalker vom Oberrang aus mit Fahnenstangen auf Einsatzkräfte los. Einige Chaoten versprühten Pfefferspray.

Beim Zweitligaspiel Duisburg-Dresden hielten nach Spielende auswärtige, aber auch heimische Ultras die Polizeikräfte in Atem. Über Stunden wurde die gezielte Auseinandersetzung gesucht. Dabei wurden auch Unbeteiligte verletzt. Ein Kamerateam des WDR erlitt Knalltraumata durch Pyrotechnik. Eine flüchtende Person trat sogar die Wohnungstür eines Duisburger Bürgers ein, um sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen.

Es ist wichtig, dass wir gemeinsam auf die anhaltende Gewalt reagieren. Wir haben deshalb das Nationale Konzept Sport und Sicherheit weiterentwickelt, es an die sich ändernden Strukturen angepasst und uns noch mehr Fachleute ins Team geholt. Bei der vorgestrigen Sitzung des Nationalen Ausschusses für Sport und Sicherheit hier Düsseldorf war erstmals auch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Fanprojekte mit am Tisch. Wir wollen nicht über die Fans sondern mit ihnen reden. Alles mit dem Ziel: Mehr Sicherheit für die Fans und weniger Polizei bei Fußballspielen.

Hunderttausende Fans sind jedes Wochenende unterwegs, um ihren Verein zu unterstützen und die Spiele hautnah zu erleben – Familien, Freunde, Fanklubs. Und wir stellen fest: Es werden von Saison zu Saison immer mehr. Als Fußballfan freue ich mich darüber. Denn Leidenschaft gehört zum Spiel. Genauso wie das Runde ins Eckige muss.

Trotz aller Begeisterung: Wir dürfen die Schattenseiten des Sports nicht aus den Augen verlieren. So gewinnt die Ultrabewegung - eine schnell wachsende Szene mit hoher Anziehungskraft auf viele junge Menschen - immer mehr an Bedeutung. Eine Fankultur mit viel Licht aber auch mit dunklen Schatten.

Leider stellt die Polizei immer wieder fest, dass die Grenzen der friedlichen Fankultur häufig überschritten werden. Es wird verhöhnt, gehasst, geraubt und geschlagen. Und diese Gewalt beginnt nicht erst in den Stadien. Schon auf den Reisewegen kommt es immer häufiger zu Zwischenfällen.

Diesen Entwicklungen stellen wir uns. Gemeinsam im Netzwerk. Wir ziehen an einem Strang für spannende und sichere Fußballspiele.

Anrede,

mir ist es wichtig hier Antworten zu finden. Deswegen hat das Innenministerium in NRW die Initiative ergriffen, um das Nationale Konzept Sport und Sicherheit grundlegend zu überarbeiten und fortzuschreiben.

Mit dem Konzept werden ab sofort nationale Richtlinien eingeführt, nach denen an allen Spielorten verfahren wird. Fans haben auf ihren Reisen durch Deutschland immer wieder deutliche Unterschiede im Handeln der Polizei wahrgenommen. Ein einheitliches Handeln von Polizei und Veranstaltern verstärkt ihre Akzeptanz bei den Fans, Konfliktsituationen können vermieden werden. Damit wir das Konzept auf Bundesebene vollständig umzusetzen können, müssen sich alle Beteiligten dauerhaft engagieren und all ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Nur gemeinsam wird es uns gelingen, für eine friedliche Atmosphäre bei den Spielen zu sorgen.

Das Konzept setzt ebenso auf eine verantwortungsbewusste Fankultur – auf hohe Sicherheitsstandards und eine intensive Netzwerkarbeit. Wir verfolgen eine Doppelstrategie: Dialog und Unterstützung für Fans auf der einen und konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter auf der anderen Seite.

Ein Beispiel ist das Kurvengespräch von Fans mit dem Sprecher Fanprojekt, dem Fanbeauftragten des Vereins, dem Sicherheitsbeauftragten des Vereins, dem Ordnungsdienst und der Polizei.

Das konsequente Vorgehen gegen Gewalttäter heißt: Wer randaliert, sieht das Spiel nicht. Er muss vorzeitig abreisen.

Das Ziel ist eine verantwortungsbewusste, sich selbst regulierende Fankultur. Dafür ist eine klare Distanzierung von Gewalt, gefahrenträchtigem Verhalten und von Straftätern erforderlich. Hervorragende Unterstützung leisten die Fanprojekte, die als unabhängige Einrichtungen der Jugendhilfe mit kommunalen Jugendhilfestrukturen vernetzt sind. Diese nutzen effektiv das Thema Fußball für ihre Jugendarbeit.

Als Innenminister sehe ich natürlich auch, wie sehr die Fußballeinsätze die NRW-Polizei belastet. Deswegen wäre für mich auch ein Erfolg dieses nationalen Konzeptes, wenn wir die Zahl der Polizisten rund um die Fußballstadien reduzieren könnten.

Das neue Nationale Konzept beschreibt die Rolle und Verantwortlichkeit aller Beteiligten. Wir handeln gemeinsam. Und um es klar zu sagen: Jeder im Netzwerk ist auch verpflichtet, sich an diese Absprachen zu halten.

Das Netzwerk „Sport und Sicherheit“ ist ein freiwilliger Zusammenschluss ganz unterschiedlicher Partner: Mit dabei sind natürlich Sportvereine und –verbände. Aber auch die Polizei. Und die verantwortlichen Ministerien. Hinzu kommen die Kommunen und die regionalen und überregionalen Verkehrsunternehmen sowie die Fanprojekte.

Anrede,

jeder, der an diesem Konzept mitgewirkt hat, hat seine eigenen Interessen. So stehen für die Vereine natürlich die Fans im Stadion im Focus. Bei Verkehrsunternehmen fangen hingegen die möglichen Probleme viel früher an. Was uns eint ist aber das gemeinsame Ziel: Wir wollen volle Stadien. Fußballbegeisterte Fans, die gewaltfrei ihre Vereine unterstützten. Um das zu erreichen, haben wir uns zusammengeschlossen.

Anrede,

wir wollen und brauchen den Dialog mit den Fans. Das ist jedem in diesem Netzwerk klar. Wir sind bereit zuzuhören und die friedlichen Fans zu unterstützten. Von den Fans erwarten wir dann aber auch eine verantwortungsbewusste Fankultur. Eine klare Distanzierung von Gewalt und Straftätern sowie den Verzicht auf Pyrotechnik.

Diese Regeln gelten natürlich nicht nur für die Stadien. Ein friedlicher Spieltag beginnt schon bei der Anreise. Fanreisen müssen besser organisiert und begleitet werden – hier sind vor allem die Vereine in der Pflicht. Hier wünschen sich die Fans zum Beispiel bereitgestellte Toiletten. Dadurch lässt sich viel Ärger mit Anwohnern vermeiden.

Um das zu erreichen, wurden klare und eindeutige Standards gesetzt. Die Sicherheitsbeauftragen, Veranstaltungsleiter und Ordnungsdienste der Vereine arbeiten hier zusammen. Auch Stadionverbote für Störer und Straftäter gehören mit zu diesem Konzept. Das alles funktioniert nur, wenn bereits lange vor einem Spiel umfassend zusammengearbeitet, geplant und organisiert wird.

Anrede,

wir arbeiten an gemeinsamen Zielen, und zwar genauso auf nationaler wie auf regionaler Ebene. Es gibt keine Patentrezepte. Wer Gewalt eindämmen will, muss deswegen vor Ort vor der eigenen Haustür genau hinschauen. Dort, wo die Vereinsfahnen an den Balkonen und Fenstern wehen. Dort müssen wir die Probleme lösen. Das ist der Schlüssel. Das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit.

Anrede,

nun kommt es darauf an, das vorliegende Konzept flächendeckend und vollständig umzusetzen und vor Ort mit Leben zu füllen. Alle Netzwerkpartner müssen sich dauerhaft engagieren und ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Nur so wird es uns gelingen, gemeinsam für spannende Spiele in friedlicher Atmosphäre zu sorgen.

zurück