Reden

Rede von Innenminister Jäger anlässlich der Ankündigung des 1. europaweiten Blitz-Marathons am 31. März 2015 in Grafschaft

Reden Minister Jäger | 31.03.2015

Anrede,

der Blitz-Marathon ist zu einem Exportschlager geworden. Zum ersten Mal machen neben Deutschland 21 europäische Staaten beim Blitz-Marathon mit. Das zeigt: Unser Konzept aus mehr Kontrollen und mehr Transparenz überzeugt. Es macht aber auch deutlich, dass wir in Europa in Sachen Verkehrssicherheit an einem Strang ziehen. Zu hohe Geschwindigkeit macht eben nicht vor Ländergrenzen halt. Überall in Europa ist Geschwindigkeit der Killer Nr. 1 im Straßenverkehr. In der Europäischen Union starben im vergangenen Jahr 25.700 Menschen bei Verkehrsunfällen. Ein großer Teil davon ging auf das Konto der Hauptunfallursache Geschwindigkeit. Es ist deshalb gut, dass viele europäische Staaten dabei sind. Das ist ein großer Erfolg! Nordrhein-Westfalen übernimmt daher gern die Koordination dieses bisher einzigartigen Einsatzes.

Es spielt keine Rolle, wer einen Unfall verursacht hat. Es ist fast immer die gefahrene Geschwindigkeit, die die Schwere der Unfallfolgen ausmacht.

Dazu will ich Ihnen ein Beispiel geben:

Bei einer Geschwindigkeit von 65 Kilometer pro Stunde sterben acht von zehn Fußgängern bei einem Zusammenstoß mit einem PKW, bei 50 Stundenkilometern überleben dagegen acht von zehn Fußgängern.

Das muss jedem klar sein, der in einer 50er-Zone mit mehr als 60 km/h fährt. Niemand empfindet das als Rasen. Aber dieser nur wenig höhere Ausschlag der Tachonadel kann über Leben und Tod entscheiden. Zu schnelles Fahren ist eben kein Kavaliersdelikt. Deshalb haben wir in NRW vor vier Jahren eine Strategie aus mehr Kontrollen und mehr Transparenz im Kampf gegen Geschwindigkeitsunfälle entwickelt. Seitdem muss jeder damit rechnen, dass seine Geschwindigkeit überall und zu jederzeit kontrolliert wird.

Ein Baustein in dieser Strategie ist der Blitz-Marathon. Mit ihm gelingt es uns immer wieder, den Menschen bewusst zu machen, wie gefährlich zu schnelles Fahren ist.

Transparenz und Bürgerbeteiligung sind wesentliche Elemente des Blitz-Marathons. Auch dieses Mal setzten wir in Nordrhein-Westfalen wieder auf die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Auf den Internetseiten der Polizeibehörden besteht ab heute die Möglichkeit, über die Auswahl der Kontrollstellen abzustimmen. Wir wollen das Voting nutzen, um genau dort zu messen, wo es den Menschen am wichtigsten ist. Denn sie kennen in ihrem direkten Umfeld die gefährlichen Straßenabschnitte mit ihren Beinahe-Unfällen. Diese Erfahrung nutzt die Polizei, um Menschenleben zu retten.

Wie sehr der Blitz-Marathon die Menschen beschäftigt, kann man auch online ablesen. So war bei Twitter der Hashtag „#Blitzmarathon“ beim letzten Einsatz im September stets unter den Top 10 der am meisten verbreiteten Themen. Insgesamt stand er sogar für sieben Stunden auf Platz 1 der deutschen Twitter Top 10. Das zeigt, dass die Menschen das Thema Sicherheit im Straßenverkehr bewegt. Nach jedem Blitz-Marathon erreichen mich viele positive Rückmeldungen. Es ist schon bemerkenswert, wenn mir eine Bürgerin nach einem Blitz-Marathon-Einsatz schreibt, dass sie noch nie so entspannt ins Büro und wieder nach Hause gefahren sei, wie an diesem Tag! Alle hätten sich defensiv verhalten. Ich bin mir sicher, dass der kommende europaweite „24-Stunden-Blitz-Marathon“ auch wieder ein Tag der Vernunft wird.

In Nordrhein-Westfalen beteiligen sich auch diese Mal wieder die Kommunen an dem Einsatz. Sie veröffentlichen genauso wie die Polizei rechtzeitig ihre Messstellen. Diese Transparenz ist mir wichtig. Unser Ziel ist es, die Köpfe der Menschen zu erreichen und nicht die Portemonnaies.

Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass die Polizisten bei den Kontrollen auf den starken Rückhalt vieler Menschen setzen können. Sie setzen sich täglich für die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen ein. Es geht ihnen nicht um die kleinliche Durchsetzung von Regeln. Es geht ihnen um den Schutz der Menschen vor schweren Verkehrsunfällen, mit viel zu oft tragischem Ausgang.

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