Kampfmittelbeseitigung in Nordrhein-Westfalen

Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt über 0 Jahre zurück. Doch auch heute noch sind seine Kampfmittel, vor allem Bomben, in Nordrhein-Westfalen zu finden.

 

Ca. 48 Prozent der Luftangriffe gegen Deutschland haben sich auf Nordrhein-Westfalen als das industrielle Herz des ehemaligen Deutschen Reiches konzentriert. Die Großstädte an der Rheinschiene und im Ruhrgebiet, aber auch viele andere größere Städte im Land waren Ziel heftiger Bombardierungen. Insbesondere in den städtischen Ballungsräumen, an Verkehrsknotenpunkten und auf der Fläche der damaligen Industrieanlagen finden sich daher heute die Altlasten des Krieges.

Kampfmittel werden im Laufe der Zeit nicht ungefährlicher. Alter und Korrosionswirkungen können die Gefährlichkeit von Fundmunition sogar noch erhöhen. Die Beseitigung von Kampfmitteln ist deshalb auch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer eine wichtige öffentliche Aufgabe.

 

Der Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren, die von Kampfmitteln ausgehen, ist eine Aufgabe der Gefahrenabwehr. Zuständig sind die örtlichen Ordnungsbehörden. Da der Umgang mit Kampfmitteln besondere Fachkunde voraussetzt, unterhält das Land zur Unterstützung der örtlichen Ordnungsbehörden einen Kampfmittelbeseitigungsdienst bei den Bezirksregierungen

 

Arnsberg: für die Bezirke Arnsberg, Detmold und Münster,

Düsseldorf: für die Bezirke Düsseldorf und Köln.

 

Zu den vordringlichen Aufgaben der Kampfmittelbeseitigung gehört nicht nur die unmittelbar Beseitigung, sondern auch im Vorfeld von Bebauungsmaßnahmen die Kampfmittelbelastung der Grundstücke zu prüfen und vorhandene Kampfmittel zu räumen. Damit sichert der Kampfmittelbeseitigungsdienst, dass wichtige Bauvorhaben gefahrlos betrieben werden können.

 

Die Luftbildauswertung spielt bei der Kampfmittelbeseitigung eine herausragende Rolle. Sie macht die Arbeit zuverlässiger und effektiver. Die Alliierten hatten im Zweiten Weltkrieg zur Vorbereitung und Kontrolle ihrer Luftangriffe Aufklärungsphotos der betroffenen Regionen aufgenommen. Diese Aufnahmen lassen erkennen, wo schwerpunktmäßig Kampfmittel abgeworfen wurden. Etwa 330.000 dieser Bilder, die nach dem Zweiten Weltkrieg in britischen und amerikanischen Archiven aufbewahrt wurden, stehen heute der Kampfmittelbeseitigung zur Verfügung.

Der finanzielle Gesamtaufwand für die Kampfmittelbeseitigung in Nordrhein-Westfalen hat 2014 etwa 34,9 Mio. Euro betragen. Mit einem Teil dieses Etats werden Aufträge an Räumfirmen vergeben, die zeitraubende und technisch aufwendige Arbeiten im Auftrag und unter der Aufsicht des staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienstes ausführen.

 

Im Munitionszerlegebetrieb Hünxe wird aktuell die Technik zur umweltgerechten Entsorgung der aufgefundenen Kampfmittel umfangreich modernisiert. Die Modernisierung vollzieht sich dabei in drei Bauabschnitten:

 

1. Neubau einer thermischen Entsorgungsanlage (TEA)

2. Erweiterung des Betriebsgeländes und Bau neuer Bunkeranlagen

3. Bau einer neuen Delaborierung für Fundmunition

 

Die Bauabschnitte eins und zwei sind abgeschlossen, im Dritten steht der Probebetrieb an.

 

2014 wurden die folgenden Kampfmittel und damit zusammenhängende Gegenstände geräumt:

Kampfmittelbeseitigung 2014

Darunter waren 264 Sprengbomben mit einem Gewicht von 50 Kilogramm oder mehr.

 

Aus Sicherheitsgründen mussten wegen fehlender Transportfähigkeit 522 Kampf mittel am Fundort durch Sprengung vernichtet werden.

 

In nicht unerheblichem Umfang entsorgt der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst damit sogenannte Zufallsfunde. Hierbei handelt es sich um Kampfmittel, die nicht bei geplanten Tätigkeiten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes geborgen, sondern durch Dritte gemeldet wurden.

 

Der Landkrieg vom Herbst 1944 bis zum Kriegsende im Raum Aachen, der Eifel und am Niederrhein ist ursächlich für die hohen Fundzahlen im Bereich der Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf.

 

Insgesamt wurden im Jahr 2014 landesweit 1.947 Zufallsfunde gemeldet und bearbeitet.

 

Munitionsähnlichen Fundgegenständen ist mit besonderer Vorsicht zu begegnen. Die Ordnungsbehörden, die Feuerwehr oder die Polizei müssen umgehend informiert werden. Fundgegenstände sind am Ort zu belassen. Berühren oder gar Untersuchen verdächtiger Gegenstände kann lebensgefährliche Folgen haben. Besonders gefährdet sind Kinder, Sammler von Militaria, Land- und Forstwirte, Bauarbeiter im Tiefbau und Angehörige von Schrottrecyclingfirmen.

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