Liegenschaftskataster

Wortbedeutung/ Historie

Das Wort Kataster ist ursprünglich auf das griechische Wort κατάστιχον (katástichon = Liste, Register) zurückzuführen.

Ehemals zum Zwecke einer gleichen und gerechten Besteuerung von Grund und Boden initiiert durch Napolèon (1808) als Steuerkataster aufgebaut, entwickelte sich das Liegenschaftskataster in Verbindung mit den preußischen Hypothekenbüchern sowie der Einführung des Grundbuchs in Preußen (1872) zum Eigentumskataster: grundbuchliche Eintragungen waren fortan auf das Kataster zurückzuführen. Mit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB, 1.1.1900) und der Reichsgrundbuchordnung, wodurch das Liegenschaftskataster amtliches Verzeichnis der Grundstücke im ganzen Reich wurde, und dem Reichsgerichtsurteil von 1910, nach dem das Kataster am öffentlichen Glauben des Grundbuchs teilnimmt, war diese Entwicklung abgeschlossen.

Bis heute hat sich das Liegenschaftskataster aufgrund seiner Einzigartigkeit (Inhalt, Qualität, Aktualität und Vollständigkeit/ Flächendeckung) über ein sog. Mehrzweckkataster zu einem Geobasisinformationssystem entwickelt, welches von vielen unterschiedlichen Anwendern aus Wirtschaft, Verwaltung, Recht und Wissenschaft genutzt wird.

Einen tieferen Einblick in Entstehung und Kommunalisierung des Liegenschaftskatasters gibt Rainer Höhn mit seinem Aufsatz „Das kommunalisierte Liegenschaftskataster in Nordrhein-Westfalen“ in der NÖV 3/2006.

Inhalt des Liegenschaftskatasters

Im Liegenschaftskataster sind für das Landesgebiet alle Liegenschaften (Flurstücke und Gebäude) aktuell darzustellen und zu beschreiben. Die Darstellung und Beschreibung umfasst insbesondere die

  • Liegenschaftsangaben (geometrische Form, Lage, Größe, Flurstücksnummer usw.)
  • Eigentümerangaben (Name, Geburtsdatum, Anschrift, Grundbuchbezeichnung usw.)
  • Angaben zur Nutzung und
  • Angaben zur charakteristischen Topographie.

Weiterhin werden die auf Grund des Bodenschätzungsgesetzes ermittelten Ergebnisse der Bodenschätzung im Liegenschaftskataster geführt. Im Übrigen besteht auch die Möglichkeit, öffentlich-rechtliche Festlegungen (auf die Liegenschaft bezogene Bewertungen, Rechte, Beschränkungen, Belastungen,…) aufzunehmen.

Liegenschaftskataster als Teil der Eigentumssicherung

Art. 14 des Grundgesetzes garantiert jedermann das Recht auf Eigentum, welches insbesondere bei Immobilien eine herausragende Bedeutung hat. Dem entsprechend ist ein verlässlicher, rechtssicherer Nachweis über das Eigentum für den Rechtsverkehr unabdingbar. Denn nur wenn Art und Gegenstand eines Rechtes belastbar dokumentiert sind, ist es ohne Einschränkungen marktfähig. Für den Nachweis der Rechte an Immobilien hat der Staat daher das Grundbuch geschaffen, auf dessen Inhalt sich jedermann verlassen kann. Es gilt grundsätzlich die Richtigkeitsvermutung: der öffentliche Glaube an die Richtigkeit des Inhalts – unabhängig davon, ob er auch wirklich richtig ist – schützt jeden Erwerber. Hinsichtlich des Nachweises des Eigentumsgegenstands verweist das Grundbuch anhand von Ordnungskriterien (Gemarkung, Flur, Flurstück) jedoch „lediglich“ auf ein weiteres Verzeichnis. Aussagen zur genauen Lage der Grenzen, die die jeweiligen Rechte begrenzen, fehlen. Eben diese essentielle Dokumentation leistet das Liegenschaftskataster als amtliches Verzeichnis der Grundstücke im Sinne der Grundbuchordnung, auf das sich – gem. eines Reichsgerichtsurteils von 1910 – auch der öffentliche Glaube des Grundbuchs erstreckt. Daraus folgt unmittelbar die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Grundbuch- und Katasterverwaltung, da die Übereinstimmung unbedingt zu wahren ist.

(Fort)Führung des Liegenschaftskatasters

Die Kreise und kreisfreien Städte als Katasterbehörden führen das Liegenschaftskataster und stellen dessen Daten bereit. Weiterhin führen sie Liegenschaftsvermessungen aus und erfassen die charakteristische Topographie. Sie nehmen diese Aufgaben als Pflichtaufgaben zur Erfüllung nach Weisung wahr und unterliegen insofern der fachlichen Aufsicht der Bezirksregierungen (Sonderaufsicht).

Die Liegenschaftsvermessungen dienen der Erhebung der Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters und umfassen alle Vermessungen, die der Einrichtung und Fortführung des Liegenschaftskatasters und der Feststellung oder Abmarkung von Grundstücksgrenzen dienen.

Neben den Katasterbehörden sind grundsätzlich nur die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure/innen berechtigt, Liegenschaftsvermessungen durchzuführen, Einsicht in das Liegenschaftskataster zu gewähren und Auszüge daraus zu erteilen.

ALKIS® und ETRS89/UTM
Logo ALKIS

Das Liegenschaftskataster in Nordrhein-Westfalen befindet sich in einem grundlegenden Modernisierungsprozess: Zum einen wird das bekannte Gauß-Krüger Koordinatensystem durch das europäische Raumbezugssystem ETRS89/UTM abgelöst. Zum anderen werden die Geobasisdaten in ein neues, normbasiertes Datenmodell überführt - wegweisende Herausforderungen für eine noch effizientere Verwaltung.

Liegenschaftsvermessungen
Vermessungspunkt

Liegenschaftsvermessungen dienen der Erneuerung oder Fortführung des Liegenschaftskatasters. Sobald die Geometrie eines Grundstücks rechtswirksam verändert oder bestätigt werden soll, ist die Durchführung einer Teilungsvermessung oder Grenzvermessung durch eine Katasterbehörde oder eine/n Öffentlich bestellte/n Vermessungsingenieur/in erforderlich. Wurde ein Gebäude errichtet, so wird es über die Gebäudeeinmessung in die Liegenschaftskarte eingetragen.

Stützpunktdatei
Karte Stützpunkte

Das Liegenschaftskataster wird modernisiert und erhält ein neues Bezugssystem. Dem entsprechend müssen auch alle vorhandenen Daten gleichermaßen eindeutig überführt werden. Um dies zu gewährleisten wurde bei Geobasis NRW mit der Stützpunktdatei eine zentrale Datenbank zur Datenhaltung von Stütz- und Anschlusspunkten eingerichtet, die von den Katasterbehörden und Geobasis NRW gepflegt wird.

Rechtsgrundlagen