Newsletter Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr

Verbesserungen im Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen

nlga162 | 05.09.2016
Grafik Umgebung Kernkraftwerke

Das Ministerium für Inneres und Kommunales hat die Katastrophenschutzbehörden im Land über die neuen Erkenntnisse zum Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen informiert. Dazu wurde in vier Veranstaltungen die neue Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) vorgestellt. Aufgrund der Erfahrungen nach dem Reaktorunfall in Fukushima will diese Empfehlung den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen verbessern.

 

Schaubild Entfernung kerntechnische Anlagen zu NRW

 

An den in Köln (2 Termine), Detmold und Hilden durchgeführten Informationsveranstaltungen nahmen Vertreterinnen und Vertreter der unteren Katastrophenschutzbehörden der Kreise und kreisfreien Städte teil. Sie wurden über die konkret vorzuplanenden und im Ereignisfall zu ergreifenden Maßnahmen auf der örtlichen Ebene informiert.

 

Hierzu zählt an erster Stelle die Herstellung der Führungsfähigkeit der Verwaltung in einer Krisenstabsstruktur. Basis für alle weiteren Maßnahmen ist ein zentral erstelltes radiologisches Lagebild, das den unteren Katastrophenschutzbehörden bei einem Reaktorunglück zur Verfügung gestellt wird. Darin werden abhängig von der radiologischen Lage konkrete Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vorgeschlagen, wie der Aufenthalt in Gebäuden, die Einnahme von Jodtabletten oder eine Verzehrwarnung. Die unteren Katastrophenschutzbehörden müssen sich konzeptionell überlegen, wie sie die Bevölkerung in ihrem Zuständigkeitsbereich warnen und über diese Maßnahmen informieren.

 

Die SSK-Empfehlung stellt dafür bereits Mustertexte zur Verfügung, die für das Konzept genutzt werden können. Darüber hinaus wird für einen kleinen Teil NRWs empfohlen, welcher im Umkreis von höchstens 25 km um ein Kernkraftwerk (KKW) liegt (sog. Mittelzone), auch die Maßnahme der Evakuierung der Bevölkerung vorzuplanen. Dies betrifft wegen der Entfernung zu KKWs in Nordrhein-Westfalens lediglich drei Kreise: in der Hauptsache Teile des Kreises Lippe und mit Einschränkungen auch der Kreise Höxter und Steinfurt.

 

Zudem empfiehlt die SSK, dass die Katastrophenschutzbehörden als weitere vorbereitende Maßnahme ein Konzept zur Verteilung von Jodtabletten über Ausgabestellen im Kreis- bzw. Stadtgebiet erstellen. Jodtabletten sollen bei erhöhten Strahlenwerten von Teilen der Bevölkerung eingenommen werden, damit die Schilddrüse durch Jod blockiert wird und kein radioaktives Jod aufnimmt. Informationen für die Bevölkerung zur Jodblockade liefern die Internetseite www.jodblockade.de und vorbereitete Mustertexte der SSK-Empfehlung. Diese Text können die Kommunen für ihre Konzepte einsetzen.

 

Sofern sie die gleiche Schutzwirkung sicherstellen, sind auch von der Verteilung im Ereignisfall abweichende Konzepte innerhalb eines Umkreises von 100 km um ein KKW (sog. Außenzone) denkbar. So sind die Katastrophenschutzbehörden im Raum Aachen derzeit dabei, ein Konzept zu erarbeiten, welches zusätzlich zur ereignisbezogenen Verteilung der Jodtabletten auch eine vorsorgliche Vorverteilung über Apotheken beinhalten soll. Das Land rüstet die Katastrophenschutzbehörden mit zusätzlichen 21 Millionen Jodtabletten aus, um die Bürgerinnen und Bürger bei Atomunfällen angemessen schützen zu können.

 

Darüber hinaus wurden in den Veranstaltungen die technisch-physikalischen Abläufe innerhalb eines KKW und die daraus ableitbare potentielle Gefährdung erläutert. Die Gelegenheit zur intensiven fachlichen Diskussion und zum Erfahrungsaustausch wurde durch die Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer engagiert genutzt.

zurück