Newsletter Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr

Nach dem Landeskonzept ist vor dem Landeskonzept

nlga163 | 19.12.2016
Einsatzfahrzeug Feuerwehr

Das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK) beobachtet Übungen der Katastrophenschutzbehörden, um die Katastrophenschutzkonzepte für das Land zu überprüfen. Wertvolle Erkenntnisse hat dabei eine Großübung des Kreises Gütersloh erbracht.

 

In den vergangenen zehn Jahren hat das MIK zusammen mit den Kreisen, kreisfreien Städten und kreisangehörigen Gemeinden verschiedene Konzepte zur landesweiten, überörtlichen Hilfe erarbeitet und eingeführt. Sie beinhalten die Abwehr von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren, die Versorgung einer Vielzahl verletzter, erkrankter oder betroffener Menschen, die Schadstoffmessung in gefährdeten Gebieten sowie die Abschätzung des Gefährdungspotentials in diesen Bereichen. Die Umsetzung dieser Katastrophenschutzkonzepte auf kommunaler Ebene fordert ein hohes Engagement aller Beteiligten.

 

Zur Überprüfung der Funktionsweise und der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Katastrophenschutzkonzepte führte der Kreis Gütersloh am 8. Oktober 2016 eine Großübung durch: Auf der Bundesstraße vor dem Tennisstadion in Halle in Westfalen verunglückte während einer Veranstaltung ein Gefahrgutlastwagen. Die austretenden Gefahrstoffe wurden durch die unglückliche Windrichtung in das Stadion geweht, so dass die Veranstaltung abgebrochen und das Stadion mit rund 12.000 Besucherinnen und Besuchern geräumt werden musste. Einige Personen bekamen die austretenden Gefahrstoffe auf Haut und Kleidung und wurden durch herumfliegende Gegenstände zusätzlich verletzt. Bei einer solchen Lage beginnt der Einsatz mit dem Einsatzstichwort „Massenanfall von Verletzten“ nach den (örtlichen) Konzepten eines Kreises und wächst dann vom alltäglichen Rettungsdienst stufenweise zu der Zusammenarbeit von Rettungsdienst und  überörtlichen Katastrophenschutzeinheiten zusammen, wie es die Landeskonzepte vorsehen. Es entsteht ein erhöhter Koordinierungsaufwand im Kreis, so dass sowohl der Krisenstab des Kreises Gütersloh als auch die Kreiseinsatzleitung, unterstützt durch einen Führungsstab, ihre Arbeit aufnehmen mussten. Hier sind der gegenseitige Informationsaustausch und die Kommunikation mit der Einsatzstelle die größten Herausforderungen. 

 

An der Übung waren ca. 1.300 Einsatzkräfte aus dem Kreis Gütersloh und den umliegenden Kreisen und kreisfreien Städten mit etwa 180 Fahrzeugen beteiligt. Die übenden Organisationen waren die Feuerwehr, der Rettungsdienst, die Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk. Aus den unterschiedlichen Katastrophenschutzkonzepten wurden die zur Verletzten- und Personal-Dekontamination, zum Sanitäts- und Betreuungsdienst mit einem Behandlungsplatz, mehreren Patiententransportzügen und zur überörtlichen Messung von chemischen Gefahrstoffen mit den Messzügen 1 und 2 eingesetzt. Ergänzt wurden die Einheiten durch das bundesweite Konzept der Analytischen Task Force. Neben den Einsatzkräften übten auch der Stab der Einsatzleitung und der Krisenstab des Kreises Gütersloh mit ca. 50 Mitwirkenden sowie einige Kliniken im Kreis Gütersloh. Es wurden 50 eindrucksvoll geschminkte Verletztendarsteller tatsächlich in die Kliniken transportiert.

 

Die Übung zeigte das Potential des Katastrophenschutzes in NRW. Es konnten wichtige Erkenntnisse erlangt werden, die in die Evaluierung der Konzepte einfließen werden.

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