Newsletter Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr

Für ganz viel und noch mehr Wasser: Die Beschaffung von Hytrans Fire Systemen für den Katastrophenschutz

nlga161 | 12.05.2016
Brandbekämpfung

Die Förderung großer Wassermengen über weite Entfernungen stellt eine besondere Herausforderung für den Katastrophenschutz dar. Während die Wasserförderung für die Erfordernisse der alltäglichen Gefahrenabwehr mit den vorhandenen Löschfahrzeugen in der Regel problemlos möglich ist, zeigen (Groß‑)Schadensereignisse der zurückliegenden Jahre, insbesondere

 

· Großbrände in Industrieanlagen,

· ausgedehnte Waldbrände oder

· großflächige Hochwasserlagen,

 

die Grenzen der bei den kommunalen Aufgabenträgern allgemein vorhandenen Einsatzmittel auf. Einige wenige Kommunen, so u.a. Düsseldorf, Duisburg, Essen und Krefeld aber auch Werkfeuerwehren großer Chemieunternehmen haben darauf reagiert und mit der Beschaffung eines sogenannten "Hytrans Fire Systems" (HFS) für diese besonderen Einsatzformen Vorkehrungen getroffen.

 

Was ist ein Hytrans Fire System (HFS)?

Das HFS-System besteht zunächst einmal aus einem Wechselladerfahrzeug und einem Abrollbehälter. Herzstück des Abrollbehälters ist die Pumpeneinheit mit einer hydraulisch betätigten, schwimmfähigen Pumpe, die beim Absattelvorgang aus dem Abrollbehälter rutscht und mit über 60 m langen Hydraulikleitungen von einem 200 PS starken Dieselmotor angetrieben wird. Die Förderleistung dieser Pumpe beträgt 3.500l/min bei 11 bar im sogenannten "Druckeinsatz" und 8.000 l/min bei 2,1 bar im sogenannten "Lenzeinsatz". Mit dieser Leistung kann ein Schwimmbecken mit den Maßen 25 x 10 x 2,5 Meter in etwas über 70 Minuten leer gepumpt werden. Die Wasserförderung erfolgt über die mitgeführten 2.000 Meter F-Schläuche (40 Stück á 50 Meter), die in Buchten gelegt im Abrollbehälter gelagert sind. Durch diese besondere Art der Lagerung kann vom fahrenden Abrollbehälter aus bei einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h die Schlauchleitung verlegt werden. Während des Hochwassers an der Elbe im Jahr 2013 waren diese Systeme aus NRW über viele Tage im überörtlichen Einsatz und zum Abpumpen großer Wassermengen außerordentlich wirkungsvoll.

 

Planung und Beschaffung

Das Ministerium für Inneres und Kommunales NRW hat nach den Erfahrungen aus den Hochwassereinsätzen beschlossen, das "Hytrans Fire System" (HFS) einschließlich geeigneter Trägerfahrzeuge auch für den nordrhein-westfälischen Katastrophenschutz zu beschaffen. Die Planung sah zunächst vor, jeweils eine Einheit pro Regierungsbezirk sowie eine weitere - sechste - Einheit für Ausbildungszwecke und als Reserve für das Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) in Münster zu beschaffen. Das Gesamtvolumen dieser Maßnahme wurde mit 4,0 - 4,5 Mio. € veranschlagt.

 

Ende 2013 wurden die fünf Bezirksregierungen beauftragt, in enger Abstimmung mit den kommunalen Aufgabenträgern, den zukünftigen Standort im jeweiligen Regierungsbezirk festzulegen sowie den konkreten Bedarf an Wechselladerfahrzeugen (WLF) als Trägerfahrzeuge hierfür zu ermitteln. Als künftige Standorte wurde daraufhin festgelegt:

 

Regierungsbezirk Arnsberg - Kreis Olpe (Stadt Olpe)

Regierungsbezirk Detmold - Kreis Paderborn

Regierungsbezirk Düsseldorf - Kreis Kleve (Stadt Emmerich)

Regierungsbezirk Köln - Kreis Euskirchen

Regierungsbezirk Münster - Kreis Steinfurt (Stadt Emsdetten)

 

Da an keinem an den von Seiten der Bezirksregierungen benannten Standorten ein geeignetes Trägerfahrzeug (WLF) vorhanden war, wurde eine landesseitige Beschaffung von insgesamt sechs Trägerfahrzeugen erforderlich.

 

Die Bezirksregierung Düsseldorf, welche seit vielen Jahren die zentralen Beschaffungsmaßnahmen für den nordrhein-westfälischen Katastrophenschutz durchführt, wurde im Januar 2014 beauftragt, eine entsprechende Ausschreibung für sechs Systeme (jeweils mit Trägerfahrzeug) durchzuführen. Bei der Vorbereitung der Ausschreibung wurden auch der Verband der Feuerwehren NRW (VdF) und die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in NRW (AGBF-NRW) eingebunden. Das IdF NRW in Münster wurde zudem beauftragt, in enger Abstimmung mit den kommunalen Betreibern solcher bereits vorhandener Systeme ein Alarmierungs- und Einsatzkonzept zu erarbeiten. Über die geplante Beschaffungsmaßnahme wurden die kommunalen Spitzenverbände frühzeitig in Kenntnis gesetzt.

 

Die Ausschreibung zur Lieferung von sechs Wechselladern wurde im November 2014 im Vergabeportal des Landes NRW veröffentlicht. Den Auftrag für die Wechselladerfahrzeuge hat die Firma Mercedes-Benz erhalten. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um den Fahrzeugtyp Arocs 4142 AK 8 x 8 / 4 BG 13 mit Abrollkipperaufbau der Firma Meiler. Der Auftrag zur Lieferung von sechs Wasserfördersystemen wurde im Dezember 2014 der Firma Hytrans (NL) erteilt.

 

Auslieferung und Ausbildung

Im November 2015 wurden die HFS-Systeme im Rahmen einer viertägigen Einweisung sowohl durch den Fahrzeughersteller als auch durch den Abrollbehälterhersteller in Lemmer (NL) an die Standortfeuerwehren übergeben.

 

Das IdF NRW wird künftig die HFS-Führungskräfteausbildung, eine HFS-Maschinistenausbildung mit Fahrsicherheitstraining bzw. Off-Road-Geländefahr-Training für HFS-Maschinisten sowie eine HFS-Fortbildung durchführen.

 

 

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