NRW-Polizei erwischte 146.000 Handysünder - Innenminister Jäger legt Verkehrsunfallbilanz 2015 vor: Die Hälfte der getöteten Fußgänger waren Senioren

Pressemitteilungen, Polizei | 15.02.2016

Die Zahl der Unfalltoten blieb im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich. 521 Menschen starben auf den Straßen in NRW, einer weniger als 2014. Das ist das zweitniedrigste Ergebnis seit Einführung der Unfallstatistik im Jahr 1953. Zum Vergleich: 2011 starben 123 Menschen mehr bei Verkehrsunfällen in NRW. Die Anzahl der Schwerverletzten ging um mehr als 2,7 Prozent auf 13.159 zurück. Aber es kamen mehr Motorradfahrer und mehr Fußgänger bei Unfällen ums Leben. "Die Bilanz zeigt, dass die Konzepte der Polizei für mehr Verkehrssicherheit wirken. Sie zeigt aber auch, dass wir mit unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen", sagte Innenminister Ralf Jäger heute bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik. "Wir werden die Konzepte, die wir mit unseren Partnern in der Verkehrssicherheitsarbeit entwickelt haben, weiter konsequent umsetzen."

Die NRW-Polizei hat das Thema Handy am Steuer im vergangenen Jahr zu einem Schwerpunkt der Verkehrsunfallbekämpfung gemacht. Dies gilt sowohl für die Prävention, als auch für die konsequente Ahndung von Verstößen. "Wer beim Fahren das Handy in die Hand nimmt, muss damit rechnen, erwischt zu werden", machte Jäger deutlich. Im vergangenen Jahr haben die Polizisten in NRW mehr als 146.000 Handy-Sünder festgestellt. In 182 Fällen wies die Polizei nach, dass die Handynutzung Ursache für den Unfall war. Drei Menschen kamen bei einem Handyunfall ums Leben. 339 Smartphones stellten die Polizisten bei schweren Verkehrsunfällen sicher. Hier bestand der Verdacht, dass der Fahrer dadurch abgelenkt war.

"Viele unterschätzen den kurzen Blick aufs Handy. Wer bei Tempo 50 für zwei Sekunden aufs Display schaut, fährt fast 30 Meter im lebensgefährlichen Blindflug", warnte der Minister. "Wir brauchen klarere rechtliche Vorschriften, die das Nutzen von Mobiltelefonen im Straßenverkehr eindeutig einschränken. Der Bundesverkehrsminister muss endlich handeln. Die aktuelle Rechtslage hinkt der rasanten Entwicklung von Smartphones und Kraftfahrzeugen deutlich hinterher."

Im Jahr 2015 sind 158 Menschen gestorben, weil die Geschwindigkeit für den Unfall mit entscheidend war. "Geschwindigkeit ist nach wie vor der Killer Nr. 1 im Straßenverkehr. Jeder dritte Verkehrstote ist Opfer von Geschwindigkeit. Sie entscheidet über die Schwere der Folgen gerade bei den schwachen Verkehrsteilnehmern. Deshalb setzen wir auch weiter auf unsere Strategie von täglichen intensiven Kontrollen, auf mehr Aufklärung und auf mehr Transparenz", erklärte der Minister. Im vergangenen Jahr haben die NRW-Polizisten rund 2,2 Millionen Temposünder gemessen. 2011 waren es 1,43 Millionen. Das ist ein Anstieg um mehr als die Hälfte.

Die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer ist im vergangenen Jahr stark angestiegen. Mit 83 Bikern starben 13 mehr als im Vorjahr. 56 von ihnen hatten den Unfall selber verursacht. Bei 31 der tödlichen Unfälle hat die Geschwindigkeit eine Rolle gespielt. Sehr viele davon ereigneten sich auf den beliebten kurvenreichen Motorradstrecken in den bergigen Regionen. "Darauf haben wir reagiert. Die betroffenen Polizeibehörden sind mit gezielten Geschwindigkeitskontrollen gegen die rasende Biker vorgegangen. In diesen Regionen konnte so die Zahl der getöteten Motorradfahrer deutlich eingedämmt werden", erläuterte Jäger. Ab Mitte März, wenn die Biker wieder unterwegs sind, startet die Polizei erneut mit ihren Kontrollen, um rücksichtslose Motorradfahrer aus dem Verkehr zu ziehen.

Sorge bereitet dem Innenminister der deutliche Anstieg der Unfalltoten bei den Fußgängern um sieben Prozent auf 123. Die Analyse der Unfälle ergab, dass rund die Hälfte der getöteten Fußgänger den Unfall selber verursacht hat. 66 der getöteten Fußgänger waren Senioren. 70 Prozent davon waren über 75 Jahre alt. "Senioren werden überdurchschnittlich oft als Fußgänger oder Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen schwer verletzt oder sogar getötet", stellte der Innenminister fest. "Das bedeutet nicht, dass ältere Menschen häufiger gegen Regeln verstoßen als andere. Sie sind aber wegen ihres Alters und ihrer körperlichen Konstitution mehr von den schweren Folgen eines Unfalles betroffen."

Im Jahr 2015 verunglückten über 9.561 Seniorinnen und Senioren, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. 173 von ihnen starben, 14 mehr als im Jahr davor. 112 von ihnen waren über 75 Jahre alt. Das entspricht einem Anteil von 65 Prozent. Jäger: "Unsere Gesellschaft wird älter, die Senioren werden immer mobiler. Darauf stellen wir uns ein. Viele Polizeibehörden arbeiten zusammen mit ihren Partnern intensiv an der Verkehrsunfallprävention für Senioren.

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