Innenminister Behrens und Schulministerin Schäfer: Anti-Bullying-Strategie gegen Gewalttäter erfolgreich

Pressemitteilungen | 19.07.2004

Innenministerium NRW

Viersen, 19.07.04

Im Kampf gegen Jugendgewaltkriminalität setzen Schule, Eltern und Polizei mit Erfolg auf die Anti-Bullying-Strategie. Die Strategie richtet sich gegen Gewalttäter an Schulen, hier auch „Bullies“ genannt. „Bullies“ sind Schüler, die ihre Mitschüler tyrannisieren, quälen, piesacken oder mobben. In solchen Fällen soll das Opfer entscheiden, ob es sich um Gewalttaten handelt und wendet sich an die Lehrer. Täter, Opfer und deren Eltern arbeiten gemeinsam daran, das Problem friedlich zu lösen. „Eine Strategie, die aufgeht!“, so der nordrhein-westfälische Innenminister Dr. Fritz Behrens bei seinem heutigen (19.07.) Besuch des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums in Viersen.

 

Anti-Bullying:

· Das Opfer wendet sich an den Lehrer.

· Der ordnet an, dass Täter und Opfer schriftlich berichten sollen.

· Der Lehrer protokolliert Gespräche und schickt die Berichte und das Protokoll den Eltern beider Schüler zu.

· Dann kommt es zu einem vom Lehrer moderierten Gespräch zwischen Opfer und Täter.

 

"Viele Schulen in NRW haben mittlerweile zur Gewaltprävention Kooperationsprojekte mit der Polizei, den Jugendämtern oder anderen Institutionen, wie zum Beispiel dem Kinderschutzbund oder Sportvereinen entwickelt. Das Programm am Erasmus von Rotterdam-Gymnasium liefert dafür ein vorbildliches Beispiel", sagte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer.

Positiv wirkt sich die Strategie dahingehend aus, das Problembewusstsein zu schärfen und Eltern sowie Lehrer aktiv zu beteiligen. Entwickelt werden gemeinsam klare Regeln gegen Gewalt. "Denn Gewaltprävention kann nur dann erfolgreich sein , wenn sie eingebettet ist in ein umfangreiches pädagogisches Gesamtkonzept zur Entwicklung von sozialer Kompetenz, das Schule, Erziehungsberechtigte und das soziale Umfeld der Kinder oder Jugendlichen mit einbezieht", so Schäfer. Jede fünfte Schule im Kreis Viersen hat heute bereits die Anti-Bullying-Strategie eingesetzt.

Zur Gewaltprävention richtete das Gymnasium vor drei Jahren zusammen mit der Polizei das durch Prof. Dan Olweus entwickelte Programm ein. „Die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass die Schulen, die Kommunen und die Polizei im Kreis Viersen mit dem Programm auf das richtige Pferd setzen. Die Zahl der polizeilich erfass-ten Gewaltdelikte sank im Jahr 2003 um 20 %“, lobte Behrens. Die Polizei Viersen beabsichtigt deshalb, die Anti-Bullying-Strategie in allen 100 Schulen des Kreises bis Ende 2005 bekannt zu machen. „So können alle Schulen langfristig ihr soziales Klima verbessern. Davon profitieren Schülerinnen und Schüler, denn sie haben ein Recht auf ein angstfreies Umfeld“, betonte der Innenminister.

In Deutschland hat es in mehreren Bundesländern in den vergangenen Monaten einige Fälle von Misshandlungen von Schülern an Schüler gegeben, unter anderem auch in NRW im sauerländischen Marsberg. Dort schlugen und traten neun Haupt-schüler einen 16jährigen Mitschüler über mehrere Monate fast täglich. Die Täter hiel-ten die Übergriffe im Klassenraum zum Teil sogar auf Video-Handys fest. Nachdem das Opfer im März diesen Jahres nicht mehr zur Schule gehen wollte, fielen die Gewalttaten auf. Aus Angst vor seinen Peinigern hatte sich der Schüler vorher weder seinen Eltern, noch seinen Lehrern anvertraut.

Auch unbeteiligte Klassenkameraden, die von den Quälereien wussten, informierten die Lehrer nicht. „Schülergewalt muss schnell aufgedeckt und damit öffentlich ge-macht, Täter bewusst bloßgestellt werden. Nur so können solche skandalösen Über-griffe nachhaltig verhindert werden“, mahnte Behrens.

Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer appellierte noch mal an alle Schülerinnen und Schüler, Gewalt und Mobbing nicht zuzulassen. "Wer mitbekommt, dass Kinder oder Jugendliche von ihren Mitschülern und Mitschülerinnen misshandelt, systematisch gemobbt oder gequält werden, muss Rückgrat beweisen und handeln."

Behrens wies auf die Ergebnisse einer aktuellen, internationalen Studie der Weltge-sundheitsorganisation hin, an der in Deutschland 5.600 Jugendliche befragt wurden. Danach war jeder dritte elf- bis fünfzehnjährige Jugendliche im vergangenen Jahr in eine Schlägerei verwickelt, entweder aktiv oder als Opfer. Deutschland gehört damit zu den vier Ländern mit besonders hohen Mobbingraten unter den Jugendlichen. „Wir müssen die Kriminalität an ihrer Wurzel packen! Die Schule hat ein empfehlenswertes Anti-Gewalt-Projekt eingeführt, um Herr über die „Bullies“ zu werden. Au-ßerdem wird damit endlich das Opfer und nicht der Täter in den Mittelpunkt gerückt“, stellte Behrens fest.

Informationen über die Anti-Bullying-Strategie erhalten Lehrer, Erzieher und Eltern in den Kommissariaten Vorbeugung der Kreispolizeibehörden oder bei der Geschäftsstelle Pro PK (Programm Polizeiliche Kriminalprävention) unter www.polizei.propk.de. Das Programm ist eine gemeinsame Initiative der Länder und des Bundes.

 

zurück