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Mehr Tote auf unseren Straßen: Geschwindigkeit ist wieder Killer Nr. 1 - Innenminister Jäger: Vorgehen gegen Telefonieren am Steuer ist ab sofort weiterer Arbeitsschwerpunkt

Pressemitteilungen, Polizei | 09.02.2015

Zum ersten Mal seit 2011 gab es im vergangenen Jahr einen Anstieg der Zahl der Verkehrstoten. Auf den Straßen in NRW starben 520 Menschen. Das sind 41 mehr als 2013, ein Anstieg um 8,6 Prozent. „Zu hohe Geschwindigkeit bleibt Killer Nr. 1“, erklärte Innenminister Ralf Jäger heute bei der Vorstellung der Verkehrsstatistik 2014 in Düsseldorf. Er kündigte an, dass die Polizei in NRW ab sofort die Verkehrsstrategie erweitert. Neben den drei Hauptunfallursachen zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer und Verstoß gegen die Gurtpflicht gilt ein vierten Arbeitsschwerpunkt: Das Vorgehen gegen Handys am Steuer. „Die Polizei beobachtet eine zunehmende Nutzung von Smartphones beim Fahren“, so Jäger. „Selbst die Ablenkung durch den kurzen Blick aufs Display bedeutet ein lebensgefährliches Risiko“.

Die Zahl der Schwerverletzten nahm im vergangenen Jahr um mehr als elf Prozent auf 13.490 Unfallopfer zu. Auch bei den Leichtverletzten gab es einen Anstieg und zwar um 3.273 auf 63.271. Das sind 5,5 Prozent mehr.

Bei den schwächsten Verkehrsteilnehmern, die am wenigsten geschützt am Straßenverkehr teilnehmen, stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Im Vergleich zum Vorjahr starben mit 68 Radfahrern zwölf mehr. 50 Prozent der Unfälle wurden von diesen selber durch eigenes Fehlverhalten verursacht. Dies gilt auch für die Fußgänger. Hier gab es mit 115 Toten einen Anstieg um 5,5 Prozent. Auch hier zeigt die Analyse, dass rund die Hälfte der getöteten Fußgänger den Unfall selber verschuldet hat.

Daraus zieht der Innenminister zwei Schlüsse: „Das bedeutet zum einen, dass Autofahrer jeden zweiten dieser Unfälle verursacht haben. Das sollte jedem klar sein, der sich hinter das Lenkrad setzt und die Verkehrsregeln missachtet. Er gefährdet Fußgänger und Radfahrer. Und zum anderen ist die Frage, wie viele dieser Menschen noch leben könnten, wenn die Autos langsamer gefahren wären.“

Die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer ist im vergangenen Jahr praktisch unverändert geblieben. Der bisher niedrigste Wert seit 1990 von 69 getöteten Motorradfahrern wurde mit nun 70 nur knapp verfehlt. „Die polizeiliche Präsenz an besonders risikoreichen Biker-Strecken zahlt sich offenbar aus“, erläuterte Ralf Jäger.

Die besondere Aufmerksamkeit der Polizei gilt den jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, weil sie überdurchschnittlich oft in schwere Verkehrsunfälle verwickelt sind. Die Zahl der Verkehrstoten stieg hier von 68 auf 72 (plus 5,9 Prozent) an. Sie liegt damit aber immer noch deutlich unter den Zahlen von 2012. „Dieser Rückgang ist auch ein Erfolg unserer Unfallprävention. Herausragendes Projekt dabei ist der „Crash Kurs NRW“. Daran haben schon 430.000 Jugendliche in NRW teilgenommen. „Hier leisten alle vorbildliche Überzeugungsarbeit“, meinte der Minister.

Die Polizei sieht mit großer Sorge, dass Autofahrer sich zunehmend ablenken lassen. Eine immer größere Rolle spielen dabei die Smartphones. „Wer bei Tempo 50 den Blick für zwei Sekunden von der Straße abwendet, um z.B. aufs Display zu schauen, fährt fast 30 Meter im Blindflug. Telefonieren am Steuer ohne Freisprechanlage ist genauso gefährlich wie 0.8 Promille Alkohol im Blut, wer eine SMS schreibt, reagiert wie ein Fahrer mit 1,1 Promille im Blut“, warnte Minister Jäger.

Die Polizei werde deshalb noch intensiver gegen die riskante Ablenkung durch Smartphones vorgehen. Dabei geht sie systematisch vor: Sie wird verstärkt aufklären und dabei das emotionale und erlebnisbetonte Konzept des Crash-Kurses einsetzen. Und sie wird intensiver kontrollieren und dann entsprechend sanktionieren. Zu dieser konsequenten Verfolgung rechtswidriger Handynutzung zählt nach Angaben des Ministers auch die Beweissicherung. „Die Folgen können bei einem leichtsinnigen Verhalten sehr unangenehm sein. Das heißt konkret: Wenn bei einem Unfall mit Personenschaden der Verdacht besteht, dass der Fahrer durch das Handy abgelenkt war, wird die NRW-Polizei künftig das Handy sicherstellen und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft auswerten, ob eine Kommunikationsverbindung zum Unfallzeitpunkt bestand.“

In Nordrhein-Westfalen wird die Handynutzung bei Verkehrsunfällen mit Verletzten bzw. hohem Sachschaden seit 1998 erhoben. Seither bewegt sich deren Zahl zwischen 115 und 169. „Auch wenn dies nur geringe Zahlen sind, wissen wir, dass wir ein sehr großes Dunkelfeld haben. Ich begrüße daher ausdrücklich die Forderungen des jüngsten Verkehrsgerichtstages, dass diese Daten bundesweit einheitlich erhoben werden“, sagte Minister Jäger. „Außerdem brauchen wir klarere rechtliche Vorschriften, die der aktuellen Entwicklung gerecht werden und das Nutzen von Mobiltelefonen im Straßenverkehr eindeutig einschränken.“

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