Verfassungsschutz

Ethnopluralismus

Der Begriff Ethnopluralismus setzt sich aus dem griechischen Wort "ethnos" (Volk) und dem lateinischen Wort "pluralis" (aus mehreren bestehend, zu mehreren gehörig) zusammen. Teile des Rechtsextremismus, insbesondere die intellektuelle Neue Rechte, verstehen ihn als Synonym für "Völkervielfalt". Tatsächlich steht hinter dem Konzept des Ethnopluralismus ein ausgrenzender Nationalismus, der in der Regel mit fremdenfeindlichem Denken verbunden ist.

Im Gegensatz zur Vorstellung, alle Menschen haben eine gleiche Würde und gleiche Rechte, betont der Ethnopluralismus die kulturellen, regionalen und/oder genetischen Unterschiede zwischen Ethnien/Völkern. Das Konzept geht auf Ideen zurück, wie sie beispielsweise der Theoretiker des italienischen Faschismus, Julius Evola, formuliert hat: "Nicht jedem ersten besten kann Menschenwürde zugesprochen werden, und auch wo sie vorhanden ist, erscheint sie in verschiedenen Abstufungen." Ethnopluralismus lehnt die Integration von Menschen verschiedener Herkunft und Kultur ab, da die Völker und Nationen dadurch ihre kulturellen Eigenarten, ihre Identität und letztlich ihre Qualität verlören. Auf diese Weise dient der Ethnopluralismus im rechtsextremistischen Verständnis dem Erhalt der "nationalen Identität".

Den fremdenfeindlichen Kern des Ethnopluralismus verstecken seine Anhänger hinter der Forderung, Ethnien zu trennen. So findet sich in der Einleitung einer an Schüler gerichteten CD aus dem rechtsextremistischen Spektrum die Formel: "Wir sind keine Ausländerfeinde, wir lieben das Fremde - in der Fremde".

Häufig berufen sich Vertreter des Ethnopluralismus auf einzelne Verhaltensforscher. Indem sie Beobachtungen aus dem Tierreich auf das menschliche Zusammenleben übertragen, behaupten sie, dass es dem natürlichen - nicht veränderbaren - Verhalten entspreche, wenn Menschen Fremde oder Migranten ablehnen. Die Solidarität innerhalb der eigenen Gruppe (Ethnie/Volk) wird ebenso wie die Abgrenzung nach außen, das heißt die Fremdenfeindlichkeit, als ein natürliches Verhalten angesehen. Die Zugehörigkeit zu einem Volk, die durch die Geburt festgelegt sei, ist aus dieser Sicht die entscheidende Prägung des Menschen, ihr gegenüber seien Willensentscheidungen, etwa die Annahme einer Staatsbürgerschaft, bedeutungslos.

Der Ethnopluralismus tritt in der Regel nicht im Gewande eines plumpen Rassismus auf. Meistens geht er nicht von einer grundsätzlichen Höherwertigkeit der eigenen Volksgruppe aus, billigt aber Menschen anderer Herkunft im Inland tendenziell nicht die gleichen Menschenrechte zu bzw. verweist sie auf die jeweiligen Herkunftsländer.

Zur Ergänzung:

Stichwort: Neue Rechte

Was ist ...?

FaschismusFaschismusFaschismus bezeichnet eine politische historische Bewegung und Staatsform, die von Mussolini 1919 gegründet und 1922 in Italien zur Macht gebracht wurde. In Anlehnung daran auch Sammelbegriff für vergleichbare Bestrebungen in anderen europäischen Ländern. Der Begriff wird heute vielfach und pauschal zur Kennzeichnung sämtlicher rechtsextremistischer Aktivitäten gebraucht. Er wird auch häufig mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, womit allerdings fundamentale Unterschiede zwischen beiden politischen Erscheinungsformen verwischt werden.
FaschismusFaschismus bezeichnet eine politische historische Bewegung und Staatsform, die von Mussolini 1919 gegründet und 1922 in Italien zur Macht gebracht wurde. In Anlehnung daran auch Sammelbegriff für vergleichbare Bestrebungen in anderen europäischen Ländern. Der Begriff wird heute vielfach und pauschal zur Kennzeichnung sämtlicher rechtsextremistischer Aktivitäten gebraucht. Er wird auch häufig mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, womit allerdings fundamentale Unterschiede zwischen beiden politischen Erscheinungsformen verwischt werden.
Fremdenfeindlichkeit
FremdenfeindlichkeitFremdenfeindlichkeit resultiert aus einer spezifischen Form von Vorurteilen, die sich gegen Menschen aus bestimmten Herkunftsländern, deren Hautfarbe, kulturelle Gepflogenheiten oder Religion richten. Fremdenfeindlichkeit ist nicht gleichzusetzen mit "Fremdenangst" (Xenophobie), kann aber daraus entstehen.
Nationalismus
NationalismusEine politische Anschauung, deren zentraler Bezugspunkt die "Nation" ist. Interessen Einzelner oder gesellschaftlicher Gruppen werden diesem Wert untergeordnet. Zwar darf nationalistisches Denken nicht mit rechtsextremistischem Denken gleichgesetzt werden, allerdings ist Rechtsextremismus ohne Nationalismus kaum denkbar.
Neue Rechte
Neue RechteIntellektuelle Strömung im Rechtsextremimus, die die geistig-politische Vorherrschaft in Deutschland anstrebt und dabei auch rechtsextremistische Ideen vertritt.
RassismusRassismusRassismus bezeichnet die Diskriminierung anderer Menschen aufgrund körperlicher Merkmale oder ethnischer Herkunft. Rassismus ist damit eine spezifische, biologisch-anthropologisch unterlegte Form von Fremdenfeindlichkeit.