Verfassungsschutz

Palästina

Der israelisch-palästinensische Konflikt besitzt einen besonders hohen Mobilisierungswert für Islamisten weltweit. Die Gründung des Staates Israel im Jahre 1948, in deren Folge ein großer Teil der christlichen und muslimischen Palästinenser aus ihrer Heimat vertrieben wurde, bildet den Anfangspunkt der bis heute andauernden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis. Während Israel die Staatsgründung als legalen Akt verteidigt und auf seinem Existenzrecht beharrt, wird sie von den Palästinensern als unrechtmäßiger neo-kolonialistischer Akt betrachtet, der mit der Unterstützung westlicher Industrienationen, allen voran den USA, umgesetzt wurde. So werden die Israelis pauschal als Unterdrücker und Feinde der muslimischen Palästinenser angesehen. Mit der Einnahme Jerusalems durch die Israelis 1967 und dem damit einhergehenden Zugriff auf die heiligen Stätten al-Aqsa-Moschee und Felsendom hat sich dieser Eindruck nicht nur bei den Palästinensern selbst, sondern bei Muslimen weltweit verfestigt. Längst steht der israelisch-palästinensische Konflikt stellvertretend für eine Entrechtung von Muslimen, die man weltweit zu beobachten glaubt. Eine herausragende Rolle im palästinensischen Widerstandskampf spielt die Terrororganisation HAMAS, die sich die kompromisslose Bekämpfung der "unislamischen Besatzer" und die Wiedererlangung des islamischen Herrschaftsgebiets ("dar al-islam") im Rahmen eines gewaltsamen Jihad zur Aufgabe gemacht hat. Die HAMAS überzog das Land vor allem nach dem Ausbruch der zweiten Intifada im September 2000 mit einer Serie von Terroranschlägen, die das israelische Volk zermürben und den Widerstandswillen der Palästinenser dokumentieren sollten. Obwohl die HAMAS sich 2006 als Partei an den palästinensischen Wahlen beteiligt hat, ist sie bis heute nicht von ihrer Politik des bewaffneten Widerstands abgerückt.

Ein Großteil der regional und international agierenden islamistischen Organisationen und Gruppierungen pflegt heute eine offene Feindschaft gegenüber Israel, den Juden und den sie vermeintlich protegierenden USA. Diese Feindschaft speist sich überwiegend aus dem Nahost-Konflikt, weist aber mittlerweile auch eine moderne antisemitische Komponente auf. Anschläge gegen jüdische Einrichtungen oder israelische Staatsbürger, wie sie in der jüngeren Vergangenheit vom internationalen Terrornetzwerk der 'Arabischen Mujahidin' verübt wurden, verdeutlichen, dass sich der Hass auf Israel in der islamischen Welt mittlerweile zu einem Flächenbrand entwickelt hat. Israelische Staatsbürger und Juden werden kollektiv für das Schicksal der Palästinenser verantwortlich gemacht und sollen als Feinde des Islams zur Rechenschaft gezogen werden. In einer seiner Medien-Botschaften hat Usama Bin Ladin die Palästina-Frage zur "Chef-Sache" erklärt und weitere Anschläge auf israelische und jüdische Einrichtungen angekündigt. Damit ist der Versuch verbunden, das Schicksal der Palästinenser zu einem Leitmotiv des internationalen islamistischen Terrorismus zu erheben.

Zur Ergänzung:

Stichwort: HAMAS

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Intifada
IntifadaIntifada (arab. "geschüttelt werden, sich schütteln, abschütteln") ist die Bezeichnung für zwei Aufstände der Palästinenser gegen die israelische Besatzungsmacht. Die erste Intifada begann 1987 und endete Anfang der 1990er Jahre mit dem Osloer Friedensprozeß und der Errichtung der palästinensischen Autonomiebehörde. Sie war charakterisiert von zivilem Ungehorsam der Palästinenser, der auch in Gewalt umschlug. Die zweite Intifada oder al Aqsa-Intifada begann im September 2000. Der Auslöser war die Proklamation Jerusalems als ewige und ungeteilte Hauptstadt Israels durch Ariel Sharon auf dem für die Muslime heiligen Tempelberg, den Sharon in Begleitung von mehr als 1000 Polizisten betrat. Dies wurde von den Palästinensern als Provokation aufgefaßt. Die zweiten Intifada war von Anfang an ein bewaffneter Aufstand. Die Auseinandersetzung wurde von palästinensischer Seite dabei auch durch den Einsatz von "Selbstmordattentätern" gegen militärische wie auch zivile israelische Ziele geführt, was zu einer enormen Eskalation der Gewalt und Gegengewalt auf beiden Seiten führte.
Islamismus
IslamismusEine extremistische Ideologie, die sich gegen westliche Werte- und Ordnungsvorstellungen richtet und das Ziel verfolgt, eine gesellschaftliche, rechtliche und staatliche Ordnung auf der Grundlage einer fundamentalistischen oder konservativen Auslegung des Islam zu errichten und damit einen "islamischen Staat" zu schaffen.
Jihad
JihadMeistens wird dieser Begriff mit "Heiliger Krieg" übersetzt; zutreffender ist "Heiliger Kampf". An sich meint Jihad Anstrengung, Bemühung und Kampf für den Islam. Die Formen, die hierfür gewählt werden, können unterschiedliche sein, friedlich aber auch gewaltsam. Seitens islamistischer Gruppierungen wird dieser Begriff häufig verwendet. Militante Gruppierungen rechtfertigen damit ihre gewaltsamen Aktionen.
Muslime
MuslimeMuslim ist eine Ableitung von dem arabischen Wort Islam und bezeichnet jenen, der die Religion des Islam praktiziert bzw. ihr anhängt.
Mujahid
MujahidMujahid ist die Bezeichnung für denjenigen, der - in der Regel den kämpferischen - Jihad betreibt. Meist wird der Begriff im Plural, Mujahidin, verwendet.