Verfassungsschutz

Globalisierung

Mit dem Begriff Globalisierung wird seit den 90er Jahren eine zunehmende weltweite ökonomische Verflechtung und die Beschleunigung der Informationsströme bezeichnet. In weiten Teilen der islamischen Welt wird diese Entwicklung ablehnend betrachtet. Kritik an den Auswirkungen der Globalisierung kommt nicht nur von den Islamisten, sondern auch von linken säkularen und nationalistischen Kräften.

Die islamistische Kritik versteht Globalisierung als einen Akt des "Neo-Kolonialismus", durch den sich multinationale Konzerne und supranationale Organisationen wie IWF (Internationaler Währungsfond) und Weltbank die Kontrolle über die Länder der "Dritten Welt" und damit auch der islamischen Welt aneignen wollen. Globalisierung sei kein Prozess, innerhalb dessen gleichberechtigte Partner miteinander verhandeln, vielmehr gehe es um die Vertiefung und Zementierung lange bestehender Abhängigkeitsverhältnisse. Der Nahe Osten als erdölreiche Region steht nach dieser Interpretation im Mittelpunkt des westlichen Interesses.

Ein anderer Aspekt der Globalisierung, die kulturelle "Verwestlichung" islamischer Gesellschaften, wird ebenfalls heftig beklagt. Die aus den USA importierte "Coca Cola-Kultur" sei der "islamischen Kultur" wesensfremd und werde von den Amerikanern und Europäern ebenfalls nur dazu genutzt, ihre ökonomischen Ziele durchzusetzen. Dies sei lediglich Ausdruck des neokolonialen Charakters der Globalisierung. Es ist vor allem dieser vermeintliche Verlust einer "islamischen Identität", der die Globalisierungsgegner in der islamistischen Szene umtreibt.

Trotz aller Kritik aber bedienen sich islamistische Gruppierungen der technologischen Errungenschaften des Zeitalters der Globalisierung, allen voran des Internets. Zahlreiche Internetseiten zeugen davon, wie diese Gruppen ihre Ideologie zu verbreiten suchen. Selbst das Terrornetzwerk um 'al-Qaida' lässt sich letztlich als eine globalisierte Variante des Terrors beschreiben. Zielobjekte und Propagandamittel des bewaffneten Kampfes sind international geworden, und die Nutzung moderner Medien und Kommunikationsmittel spielt eine wichtige Rolle. Auftritte im Fernsehen wie die Video- und Tonbotschaften, die Usama Bin Ladin an Fernsehstationen verschickte, zeugen von einem ausgeprägten Medienbewusstsein. Die Kommandozentralen des islamistischen Terrornetzwerks können an jedem beliebigen Ort, der die nötige Sicherheit verspricht, eingerichtet werden, und die Nutzung von Mobiltelefonen sichert eine permanente Erreichbarkeit der Mitglieder. Damit werden auch die militanten Globalisierungsgegner des islamistischen Umfelds zu aktiv Handelnden eines Phänomens, das sie ansonsten bekämpfen.