Verfassungsschutz

Abu Musab al-Zarqawi

Der 1966 in der jordanischen Industriestadt Zarqa geborene Abu Musab al-Zarqawi galt bis zu seinem Tod 2006 als einer der meist gesuchten Terroristen aus dem al-Qaida-Umfeld. Zarqawi strebte gleichermaßen den Sturz der jordanischen Monarchie wie die Vernichtung des Staates Israel an. Dass sein Hass auf Juden weltweit galt, zeigten die Pläne der Terrorzelle 'al-Tawhid', die im Jahr 2002 Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Deutschland geplant hatte und in direktem Kontakt zu al-Zarqawi stand. Im Irak trieb er den Terror gegen ausländische Truppen wie gegen die irakische Zivilbevölkerung gleichermaßen massiv voran. Vorgebliches Ziel war auch dort die Errichtung eines "islamischen Staates".

 

In seiner Jugend fiel er vor allem als Kleinkrimineller auf, bis er Ende der 80er Jahre seine terroristische Laufbahn begann. Nach einer Afghanistanreise schloss er sich radikal islamistischen Kreisen an, die einen gewaltsamen Umsturz in Jordanien planten. Aufgrund dieser Aktivitäten wurde er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Während seiner Gefängniszeit durchlief er dann eine intensive ideologische Schulung durch den mitinhaftierten palästinensischen Islamisten Abu Muhammad al-Maqdisi. Dieser ist einer der wichtigsten Vordenker des militanten Jihad in Jordanien und der Region.

 

Nach seiner Haftentlassung 1999 setzte al-Zarqawi seine jihadistischen Pläne weiter fort. So warf man ihm vor, anlässlich der Millenniumsfeiern Anschläge auf große Touristenhotels in der jordanischen Hauptstadt Amman geplant zu haben. Al-Zarqawi entzog sich einer erneuten Verhaftung durch die Flucht nach Afghanistan und hielt sich später in Iran auf. Seit Mitte 2003 wurde er im Irak aktiv. Dort zeichnete er für zahlreiche brutale Terrorakte verantwortlich. In Internetbotschaften erklärte al-Zarqawi im Herbst 2004 die Zugehörigkeit seiner Gruppe zu Usama Bin Ladins Terrornetzwerk 'al-Qaida' und verschrieb sich dessen politischen Zielen. In diesem Sinne mobilisierte er auch Teile der sunnitischen Bevölkerung gegen die Schiiten des Landes. Dadurch hat sich zwischen den Glaubensrichtungen eine bürgerkriegsähnliche Situation entwickelt, die bis heute andauert.

 

Daneben galt al-Zarqawis Augenmerk weiterhin seinem Herkunftsland Jordanien. Im November 2005 entsandte er irakische Attentäter nach Amman, die bei Anschlägen auf Luxushotels mehr als 50 Menschen töteten. Im Juni 2006 kam al-Zarqawi - wohl aufgrund eines Verrats aus seinem engsten Umfeld - bei einer Anti-Terroraktion der US-Armee im Irak ums Leben.

Zur Ergänzung:

Stichwort: al-Qaida

Stichwort: al-Tawhid

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Haschemiten
HaschemitenDynastie, die von der arabischen Halbinsel stammt und ihre Abstammung auf das Haus des Propheten Mohammad zurückführt. Bis 1924 waren die Haschemiten Herrscher über Mekka. Heute regiert nur noch in Jordanien mit König Abdallah II. ein Haschemit.
IslamismusIslamismusEine extremistische Ideologie, die sich gegen westliche Werte- und Ordnungsvorstellungen richtet und das Ziel verfolgt, eine gesellschaftliche, rechtliche und staatliche Ordnung auf der Grundlage einer fundamentalistischen oder konservativen Auslegung des Islam zu errichten und damit einen "islamischen Staat" zu schaffen.
MuslimeMuslim ist eine Ableitung von dem arabischen Wort Islam und bezeichnet jenen, der die Religion des Islam praktiziert bzw. ihr anhängt.
Jihad
JihadMeistens wird dieser Begriff mit "Heiliger Krieg" übersetzt; zutreffender ist "Heiliger Kampf". An sich meint Jihad Anstrengung, Bemühung und Kampf für den Islam. Die Formen, die hierfür gewählt werden, können unterschiedliche sein, friedlich aber auch gewaltsam. Seitens islamistischer Gruppierungen wird dieser Begriff häufig verwendet. Militante Gruppierungen rechtfertigen damit ihre gewaltsamen Aktionen.
Schiiten
SchiitenBezeichnung für die Anhängerschaft Ali ibn Abi Talibs, des Vetters und Schwiegersohn des Propheten. Die ursprüngliche Bezeichnung "Schiat Ali", Partei Alis, wurde zu Schia verkürzt. In der islamischen Geschichte stand die Schia meistens in Opposition zu den Herrschenden, die überwiegend aus dem Lager der Sunniten kamen. Der Schia, die sich im Laufe ihrer Geschichte in viele Untergruppen und Richtungen gespalten hat, gehören etwa 10-15% der Muslime an. Der Iran sowie der Irak haben schiitische Bevölkerungsmehrheiten, während sie in vielen anderen Staaten Minderheiten bilden.
Sunniten
SunnitenGrößte Gruppe der Muslime. Die Teilung der islamischen Gemeinschaft in Sunniten und Schiiten geht auf einen Streit um die Nachfolge in der Führung der muslimischen Gemeinde nach dem Tode des Propheten Muhammad im 7. Jahrhundert zurück.
TawhidTawhidTawhid bedeutet im religiösen Zusammenhang: Bekenntnis zur Einheit Gottes, Monotheismus. In mystischen Kreisen wird darunter ferner das "Aufgehen des Individuums in der Einheit des Allumfassenden" verstanden. Als zentraler Begriff im Islam wird er von verschiedensten Gruppierungen - darunter auch terroristischen - und zu Bezeichnung von Moscheen und Einrichtungen verwendet.