Verfassungsschutz

Abu 'Ala al-Maududi

Abu 'Ala al-Maududi (1903-1979), Gründer der pakistanischen Organisation 'Jamaat-e Islami', war einer der einflussreichsten islamistischen Denker des 20. Jahrhunderts, dessen Schriften bis heute weit über Pakistan hinaus gelesen werden. Die Ideologie der 1941 gegründeten 'Jamaat-e Islami' gründet sich auf die zahlreichen Schriften al-Maududis. Die Organisation gehört dem sunnitischen Islam an. Hauptziel al-Maududis war zunächst die Gründung eines eigenen Staates für die Muslime Indiens, so wie er sich dann durch die Entstehung Pakistans manifestierte. Die zentrale Kraft islamischer Gesellschaften ist nach al-Maududi der Kampf gegen den Unglauben (kufr), der letztlich zur Errichtung eines islamischen Staates auf der Grundlage einer "islamischen Ordnung" führt. Wesentliche Voraussetzung der "islamischen Ordnung" sei die Umsetzung der Scharia in allen Rechtsbereichen. Al-Maududi sprach von einer Theo-Demokratie, die er errichten wollte, in der diejenigen regieren, die Gottes Gebote wirklich verstehen und erfüllen. Tatsächlich ist sein Staatsmodell autoritär bis totalitär. Oberhaupt des Islamischen Staates soll ein auf Lebenszeit von einem beratenden Gremium gewählter "Amir" sein.

 

Andersgläubige können in einem solchen islamischen Staat nur als "Schutzbefohlene" mit minderem Status leben, und auch nur dann, wenn sie einer der "Buchreligionen", also Judentum oder Christentum, angehören. Frauen sollen aus dem politischen Leben im Wesentlichen herausgehalten werden. Ihr Platz ist im Haus und bei der Familie. Ein "unnötiges" Zusammentreffen von Männern und Frauen im öffentlichen Raum soll vermieden werden. Das von al-Maududi skizzierte Islam-Modell ist umfassend und auf alle Ebenen des Lebens bezogen. Er schuf die Grundlagen für Begriffe wie "islamische Revolution", "islamischer Staat" und "islamische Ideologie". Al-Maududi ging in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner so weit, dass im "Kampf gegen das Böse" auch islamische Prinzipien verletzt werden dürfen. Allerdings propagierte er nicht die (gewaltsame) Revolution, sondern suchte den Weg der Reformen.

 

Al-Maududi politisierte die Religion in einer bis dahin nicht bekannten Weise. Der Islam der Gegenwart sollte "gereinigt" werden von allen negativen Einflüssen und Auswüchsen, die ihm im Laufe der Jahrhunderte widerfahren seien. Damit war al-Maududi Vorbild für viele weitere islamistische Denker, die sich nicht nur mit den eigenen Glaubensgrundlagen befassten, sondern auch mit westlichen Einflüssen auseinandersetzen. Das heutige Einflussgebiet der 'Jamaat-e Islami' umfasst neben Pakistan, Indien, Bangladesh, Sri Lanka auch die entsprechenden Exilkommunen in Süd-Ostasien, in den Staaten am Persischen Golf und in Großbritannien.

Zur Ergänzung:

Stichwort: Unglaube