Verfassungsschutz

Predigten

Ein fester Bestandteil des dem Muslim vorgeschriebenen Freitagsgebets in der Moschee ist die Predigt (khutba). Der Vorbeter der Moschee behandelt in seiner Predigt in der Regel aktuelle Themen unter Berücksichtigung der Glaubensinhalte sowie der grundlegenden Schriften, besonders des Korans. In der islamischen Welt, wo sich Moscheen vielerorts zum Sammelbecken der politisch Enttäuschten und sozial Marginalisierten entwickelt haben, fällt die Propaganda islamistischer Prediger nicht selten auf fruchtbaren Boden. Ob im Irak, in Afghanistan oder in den palästinensischen Gebieten - vielerorts werden Freitags-Predigten dazu genutzt, die Enttäuschung und Unzufriedenheit der Gläubigen weiter anzuheizen. Dass dies unter dem Deckmantel religiöser Argumentation geschieht, macht einen Großteil der frustrierten Massen besonders empfänglich für die Botschaften. Aber auch außerhalb ihrer Heimatländer versuchen fanatische Prediger immer wieder, die in der Diaspora lebenden Gläubigen auf ihre Seite zu ziehen. Ein drastisches Beispiel ist der Fall des inzwischen inhaftierten, religiösen Führers der 'al-Tawhid'-Gruppe in Europa. In England predigte er seiner Gemeinde nicht nur die Notwendigkeit des gewaltsamen Jihad. Er verbreitete auch die Auffassung, dass es im Jihad erlaubt sei, Frauen und selbst Kinder zu töten.

Auch in Deutschland bilden der Palästina-Konflikt und die unbefriedigende Lage im Irak wichtige politische Bezugspunkte vieler religiöser Predigten. Auch der Streit um die "Mohammed-Karikaturen" hat das religiöse Mobilisierungspotential verdeutlicht. Doch Hass entfachende oder gar Gewalt befürwortende Predigten in Moscheen und Islamischen Zentren sind nach wie vor die Ausnahme, nicht die Regel. Wo in der Vergangenheit sogenannte "Hassprediger" aufgefallen sind, erfolgte in den meisten Fällen deren Amtsenthebung.