Verfassungsschutz

Nationale Sozialisten Zossen agitieren mit Schüler-CD

Die bisher letzte bekannt gewordene Veröffentlichung einer neonazistischen CD, die sich an Schüler richtet, stammt von den 'Nationalen Sozialisten Zossen' aus Brandenburg, die im September 2010 diese CD ankündigten. Im Dezember 2010 veröffentlichte die Internetseite zur CD einen Artikel mit dem Titel „Die Offensive hat begonnen“. Hiernach sollen bereits mehrere tausend CDs in Deutschland auf Schulhöfen verteilt worden sein. Nach Eigenaussage der Initiatoren werden „in den kommenden Tagen vor Weihnachten […] viele Aktionsgruppen noch mal richtig Vollgas geben um die Scheibe unters Jungvolk zu bringen.“ In Nordrhein-Westfalen konnte man davon allerings nichts bemerken.

Bei der „CD des Nationalen Widerstands“ handelt es sich um Datenpaket, aus dem man mit herkömmlichen Brennprogrammen vollständige CDs herstellen kann. Die CD enthält die Musikstücke zweier Schulhof-CDs der NPD, ferner die CDs „SzU - Sprachgesang zum Untergang“, „Enesess - Germaniaks“ und „Häretiker - Die Fessel wird schwach“. Darüber hinaus ist ein umfangreicher multimedialer Datenteil vorhanden, welcher beim Einlegen der CD in den PC automatisch gestartet werden kann.

Die Inhalte der Datei wurden zwischenzeitlich mehrfach überarbeitet und erweitert. Die eingebaute Aktualisierungsfunktion ermöglicht es, die Inhalte mit einem Mausklick über das Internet auf den aktuellen Stand zu bringen. Ferner besteht die Möglichkeit, mit der NPD, diversen rechtsextremistischen Gruppierungen im In- und Ausland sowie Szene-Vertrieben und Netzradios in Kontakt zu treten. Die Betreiber dieses Projektes sind dem Anschein nach in der Lage, die versprochenen Aktualisierungen und Erweiterungen tatsächlich bereitzustellen.

Neu in der aktuellen Version ist ein Beitrag der 'Kameradschaft Aachener Land' mit dem Titel „Rhythmen gegen das System“, welcher ebenfalls mehrere Musiktitel enthält, darunter das gegen Israel gerichtete Lied „Alles ist wichtiger“ [als Israel]. Alle Musikdateien sind im mp3-Format abgelegt und können auf PC und mp3-fähigen Endgeräten abgespielt werden.

Über eine Oberfläche können mehrere Themenbereiche durch Anklicken geöffnet werden. Die Gestaltung der CD wirkt – im Gegensatz zu der im Jahr 2004 erschienenen Schulhof-CD „Anpassung ist Feigheit“ – modern und ist wesentlich ansprechender gestaltet.

Mit einer Vielzahl von Videodateien und Textbeiträgen versuchen die Initiatoren, die rechtsextremistische Szene gegenüber Jugendlichen zu verharmlosen. Gleichzeitig zielen sie darauf ab, das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland zu diskreditieren und als handlungsunfähig darzustellen. Weiterhin stehen Globalisierungskritik sowie die Darstellung Deutschlands als Kriegsopfer im Fokus. Gleichzeitig wird dem Betrachter der „Nationale Sozialismus“ als einzige Lösung präsentiert.

Bestandteil der CD ist auch ein sogenannter Wissenstest, in dem zehn Fragen zur deutschen Geschichte gestellt werden. Die Auswahl der Fragen zielt ersichtlich darauf ab, die Verantwortung des Deutschen Reiches für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu relativieren. Die gegebenen Antworten sind in der Sache nicht falsch; allerdings wird der historische Kontext konsequent ausgeblendet, etwa wenn danach gefragt wird, zu welchem Zeitpunkt die deutschen und polnischen Streitkräfte im Vorfeld des Krieges mobil gemacht wurden. Zum Abschluss des Testes wird den Nutzern empfohlen, sich auf youtube ein Video anzuschauen, das der Kriegsschuldfrage nachgeht.

Diese neonazistische CD in Verbindung mit der Website "Jugend in Bewegung" ist ein aktuelles Beispiel für die Entwicklung und die strategische Ausrichtung der meisten rechtsextremistischen Organisationen. Jugendliche stehen als Zielgruppe im Mittelpunkt. Zentrale Werbemittel sind Freizeitangebote unter rechtsextremistischen Vorzeichen und jugendaffine Medien wie CDs, Internetportale, Comics, Schülerzeitungen, Profile in Online-Communities und andere Web-2.0-Angebote. Auf diese Weise verschmelzen Gemeinschaftsaktivitäten, Szene-Medien und politische Propaganda zu einer "Erlebniswelt Rechtsextremismus". Ihre Inhalte kreisen weiterhin um Feindbilder, vor allem einen rassistischen Kern, vielfach dient der Nationalsozialismus als Leitbild. Allerdings sind rechtsextremistische Jugendmedien immer seltener von einer Optik geprägt, die sich am Nationalsozialismus orientiert, sondern von einer Symbolik und Ästhetik, die Elemente zeitgenössischer Jugendkultur aufgreift, beispielsweise grafische Elemente des Graffiti. Auch die Musikstile dieser Szene haben sich ausdifferenziert: Auf der oben beschriebenen CD sind Lieder vertreten, die Rock, Rap und Folk mit rechtsextremistischen Texten verbinden.